Die schwäbischen Jünglinge sahen die Göttergestalt bei Tischlersleuten sanft und geduldig ihr Erdenlos tragen; sie sprachen die großen Gesänge und ahnten die ewige Waltung in seinem Geschick.
Nie wieder kam einer von seiner Art, sie waren alle aus Schwaben gebürtig und blieben der Heimat verbunden; aber sie standen in seiner heiligen Zucht und nahmen das Bild der hohen Erinnerung mit, wenn sie gingen: daß alle Dinge des Tages nur bunter Schein vor dem ewigen Sein, daß alle irdischen Ziele der Seele nur Wegweiser wären.
So wuchs am Tübinger Stift ein neues Geschlecht in Schwaben, das wieder wie einmal die Griechen in edler Bildung dahin ging, obwohl es die engen Wege der Heimat nicht überschritt.
Sie hatten alle ein Amt, sie waren Pfarrer und Lehrer, Ärzte und Richter, sie dienten dem Tag bescheiden und treu; aber wie einmal Hans Sachs, der Nürnberger Schuhmacher tat, pflegten sie eifrig den Meistergesang; und einige wurden Dichter geheißen:
Ludwig Uhland, der aufrechte Mann und Meister am Dombau der deutschen Gesinnung, der seine Lieder wie Luther sang, aus reinem Gemüt mit reinem Wort und abhold allen romantischen Künsten, ein deutsches Herz und ein Protestant.
Justinus Kerner, der Doktor in Weinsberg, den Rätseln des Lebens hellsichtig nah und dem Tod wie ein Bruder vertraut; Gustav Schwab, der geistliche Herr in der schwäbischen Hauptstadt, in allen Dingen der Bildung zuhause, plauderfroh sagend und singend; Wilhelm Hauff, der schwärmende Jüngling und frohe Phantast, mit glücklichen Händen vielerlei greifend und manchmal der Meisterschaft nah.
Sie reichten nicht an den Himmel, da Hölderlins Stern im milden Glanz stand, sie blieben Diener der schwäbischen Erde, aber den Sternen ehrfürchtig zugewandt; und allen gelang es, den Liederschatz der deutschen Seele zu mehren.
Mörike
Nur Einem hatten die Nornen die silberne Spindel in seine ärmliche Wiege gelegt, nur Einem wurde die Enge zum Schicksal, das er mit stolzer Bescheidung bezwang.
Vikar an mancherlei Orten, zu Cleversulzbach im Unterland Pfarrer, dann kränkelnd in Mergentheim, fünfzehn Jahre lang als Lehrer in Stuttgart geplagt und dreizehn danach auf seinen Tod wartend: trug Eduard Mörike recht wie ein Stiftler sein irdisches Leben.