Als er zuletzt, seinem Volk in der dumpfen Gegenwart fremd, in die Ferne der Herkunft hinein blickte, ritten am Himmelsrand hin die gewaltigen Recken der Nibelungen zu ihrem Blutfest in Ungarn.
Was keiner zu wagen vermessen sein konnte, er tat es: er rief die Gewaltigen an samt ihrer Riesenfrau Schwester Kriemhild und bannte die Schatten auf seine Bretter.
Seit Goethe den Faust rief, seit Kleist die homerischen Helden beschwor, wurde nicht mehr so Großes gewagt: die Zeit kam und staunte in ihre riesige Herkunft, aber sie konnte aus ihrer Kleinheit die Größe nicht mehr ermessen.
Wie ein Kolkrabe unter dem bunten Gevögel der jungdeutschen Dichter stand Hebbel, als er sein Tagebuch schrieb: sein Riesengeist fand sich selber zuletzt als Genossen; es schauerte ihn vor den eigenen Blättern, wie seine Seele allein in der Zeit und seinem Volk war.
Grillparzer
Als Hebbel nach Wien kam, war Grillparzer schon in die Stille gegangen; der Dichter von gestern wollte nicht mehr in der Gegenwart sein.
Schiller und Goethe und die Romantik hatten in seine Jugend geleuchtet, und wie ein Steinboden im Licht der Glasfenster glüht – alle Farben trinkt sein graues Gestein aus den Scheiben und macht ein sanftes Spiel aus der Glut – so war seine Dichtung ein Abglanz.
Aber Grillparzer war ein Österreicher Kind, und die Kaiserstadt legte den Abglanz des Dichters auf köstlichen Marmor, daß keiner die Glasfenster sah, nur noch den sanften Schein auf den Fliesen und seine vielfarbige Kühle.
Medea, Sappho und Hero, all seine Frauengestalten waren wohl Töchter der Iphigenie; aber im Hause Maria Theresias hatten sie irdischer schreiten, lächeln und leiden gelernt als ihre erhabene Mutter in Weimar.