Auch hieß ein Dichter in Wien anders, als sonst im Reich, ein Schildhalter der alten Herrlichkeit sein; denn Wien war die Habsburger Hofburg: wie einmal der britische Dichter die Dramen der Könige schrieb, wollte Grillparzer den Habsburger Kaisertraum auf die Schaubühne bringen.
Aber den Herren der Hofburg gefiel solcher Bühnenruhm nicht; in Wien ein Österreicher hieß eine Maske Metternichs sein; weil er zu hochmütig war, sich zu verstecken, und zu schwach, sich zu zeigen, ging er beiseite.
Denn weder ein Mann seiner Zeit wie Uhland, der wackere Schwabe, noch seiner ewigen Sendung gewiß in stolzer Bescheidung wie der Pfarrer in Cleversulzbach, war Grillparzer, der Dichter in Wien.
Vergrollt und von Grillen geplagt, wurde er alt; als die Glut der Fenster verblaßte, schwand auch der Abglanz auf seinen marmornen Fliesen dahin; der einsame Dichter in Wien wurde vergessen, bis ein später Ruhm den Spätling wieder ans Tageslicht brachte.
Schopenhauer
Als Goethe ein Greis und fast schon ein Götterbild war, fand er Gefallen an einem Jüngling, der ihm als der Sohn einer schreibenden Dame in Weimar über den Weg kam: Schopenhauer geheißen und Schüler des großen Immanuel Kant.
Der Jüngling hatte freilich den Weisen von Königsberg nicht mehr gesehen, aber in seinen gewaltigen Schriften die Heimat erkannt, darin er sich einzig als Erbhalter fühlte.
Wohl standen Fichte, Hegel und Schelling im Reichtum der Kantischen Erbschaft geehrt, er aber hieß sie Erbschleicher und Fälscher; wie ein Prinz mündig wird, kam er, im Reich der Wahrheit der rechte Thronfolger zu heißen.
Alle Erscheinung der Dinge – so hatte der Meister gelehrt – ist nur das Blendwerk der Sinne; in Zeit und Raum eingehängt, vermag die Erfahrung keine Erkenntnis zu bringen über das Ding jenseits der Sinne, über das Wesen der Welt.