Die Welt als Vorstellung nannte der Schüler den Schein, er aber wollte im Schein das Wesen benennen, und er hieß es die Welt als Wille.

Der Wille allein war der Schlüssel zum Wesen, der Wille war frei in der Ursächlichkeit aller Dinge, aus ihm allein kam Erkenntnis, das Rätsel der Sinne zu lösen, weil er der ewige Antrieb, weil er das Leben im Schein, die Seele im Sinnbild der Welt war.

So wollte der Schüler den Schleier der Maja durchleuchten, den der Meister als Blendwerk der Sinne erkannte; so glaubte sein Eifer den Spiegel der Wahrheit zu halten, darin er sein Ich und sein Du in einem erblickte.

Weil ihm ein irdisches Wort den Schlüssel zur Welt gab, dachte er seine Gedanken diesseits und brauchte nicht schwindelnden Pfades im Jenseits zu irren; aber die Zeit war im Jenseits befangen, und die der Jüngling Fälscher und Erbschleicher nannte, regierten trotz seinem Zorn.

Er hatte sein Tagwerk zu früh getan und mußte in Einsamkeit warten; wie Buddha zu den Brahmanen hatte sein Mund die Weisheit der Erde gegen den Himmel der Priester gesprochen, aber ihm fehlten die Jünger.

In seinen Wünschen – dies war seine Lehre – waren dem Menschen die Wurzeln des Guten und Bösen verstrickt, das Leben mit Wirrsal zu füllen: seinen Willen verneinen, hieß auch vom Leiden erlöst werden.

Denn wollen hieß leben, und leben hieß noch im Blendwerk der Wünsche verbannt sein: der Weise ging, durch Erkenntnis das Nichts seiner Wünsche, aber das All seiner Stille zu finden.

Der so im Abendland lehrte, uralte Erkenntnis der Erde gegen den Himmel der Priester, war seiner irdischen Weisheit kein Weiser; grimmig und germanischer Streitlust stachlig wie ein Igel, schaffend und scheltend saß er sein Leben lang in Frankfurt am Main, den Aufgang seines Werkes zu erwarten.

Als ihm das Alter endlich den Ruhm brachte, war seine Stirn zu müde, den Lorbeer zu tragen; aber die Greisenhände streichelten noch an den wintergrünen Blättern, ehe er bitter lachend dahin fuhr.