Er riß die edlen Gestalten aus ihrer Stille hinein in den Strudel starker Bewegung; er machte die schlafenden Umrisse wach, mit dem Linienwerk aufgescheuchter Gestalten ihr bläßliches Dasein hart zu umreißen.
Da wurde die Farbe den goldenen Rahmen und räumlichen Tiefen der Schilderkunst nachgesandt in die Verdammnis; die schwarze Kohle fing an, die weiße Fläche zu meistern, aus Wänden im Raum wurde der dürre Karton, in der Werkstatt mit Strichen gezeichnet.
So wurde im Barfüßerkloster zu Rom, im brünstigen Glauben der Kirche, dem Protestantismus die Kunst nachgeboren; deutsche Jünglinge wurden in Welschland katholisch, das seltsame Wunder zu wirken.
Der Baukönig
Als sich der König Ludwig von Bayern im vierzigsten Jahr die Krone aufsetzte, sahen die Guten nach ihm, und seine Lobredner sagten, daß nun ein neues Sanssouci käme, nicht von Franzosen bevölkert.
Er hatte als Kronprinz gern mit den Nazarenern in Rom gesessen, hatte gespart und Bilder gekauft, er war den Dichtern und Malern ein Freund und einer freien Verfassung der eifrigste Fürsprecher gewesen, und allem Welschtum feind.
Dichter, Gelehrte und Künstler rief er nach München; auch fing sogleich ein Bauwesen an, wie es die Welt seit Versailles nicht kannte.
Aber nicht Lustschlösser galt es dem König von Bayern; die Stadt an der steinichten Isar sollte mit Straßen und Plätzen, Hallen und Säulen und Bildwerken, reicher und schöner als Wien oder Berlin, die deutsche Kunst- und Königsstadt werden.
So wurde das Füllhorn aller Baukünste über die Stadt an der Isar geschüttet: griechisch und römisch, florentinisch und gotisch wuchsen die steinernen Wünsche der staunenden Bürgerschaft zu.
Eine Glyptothek kam und eine Pinakothek, die Propyläen stellten dem neuen Musenhof die prächtige Torwacht, und eine Prunkstraße lief zwischen Palästen hinaus in die Felder von Schwabing.