Napoleon hatte mit all seinen Siegen Paris nicht so geschmückt wie Ludwig, der Baukönig, München; Jahrhunderte staunten aus biederen Giebeln darüber, die backsteinernen Türme der alten Domkirche sahen barock dem gebildeten Quaderwerk zu.

Altdeutsch und florentinisch, romantisch und klassisch galten dem König gleichviel, er hieß sich gern einen Dichter; und als er im höchsten Schwung war, wurde dem deutschen Volk die Walhalla gebaut.

Bei Regensburg stand sie und war eine Halle hoch über der Donau, sie sollte das Heiligtum deutscher Vergangenheit sein; aber das Heiligtum deutscher Vergangenheit war ein Tempel mit griechischen Giebeln, dorischen Säulen und einer ionischen Halle.

Seine Baumeister priesen den Bauherrn, sein Volk pries den Landesherrn nicht; indessen sein Schwärmersinn aus der Vergangenheit lebte, indessen er Tempel und Kirchen, Kunsthallen, Paläste und Prunktore baute mit seinen mühsamen Groschen, regierte die Willkür übler Minister sein Land.

Auf Sanssouci saß ein Despot und er liebte sein Volk nicht, aber er hielt sich selber in Pflicht als oberster Diener des Staates; in München wollte ein Schwärmer der Schatzhalter deutscher Herrlichkeit sein, aber Willkür und Schmeichel banden ihm beide Hände, und Herren im Land waren die Jesuiten.

Der Redekönig

Die Hoffnung der Guten hatte in Bayern getrogen, nun kam sie nach Preußen: Friedrich Wilhelm der Vierte sollte ihr neuer Schildhalter sein; aber die Hoffnung der Guten trug den romantischen Rock in Bayern und Preußen.

Einfältig und stumm war der Vater gewesen, und vaterländisch hieß seiner kärglichen Seele ein Fürstenfeind sein; zwiespältig und laut war der Sohn: die oberste Fürstenpflicht sollte, so rief seine begeisterte Rede, das Vaterland heißen.

Er redete gern, der neue König in Preußen, die alte Herrlichkeit rauschte im Flügelschlag edler Romantik, wenn das Wort über ihn kam.