Ein deutscher Fürst hieß ihm die Vollmacht großer Vergangenheit sein: was jemals die Ahnen mit heiligem Eifer begehrten, was sie mit Blut und mit Leiden bezahlten, des sollten die Fürsten von Gottes Gnaden Vollstrecker und Schwurhalter heißen.

So schwoll die Rede des Königs von Preußen, als er in Königsberg stand, den Eid auf die Verfassung zu schwören; Tausende hörten ihm atemlos zu, und Tausende nahmen die Worte für Taten.

So wurde die Rede des Königs von Preußen ein Ruf an sein Volk, als er danach in Berlin aus dem Schloßfenster sprach; Tausende drängten im Lustgarten und spürten den strömenden Regen nicht, weil in den Worten des Königs die neue Zeit nahte.

So legte die Rede des Königs von Preußen den Grundstein, als er beim Domfest in Köln die Fürsten und Völker anrief: Tausende sahen das Reich wie den Dom in Trümmern, und Tausende glaubten, daß mit dem Dom die Herrlichkeit auferstände.

Aber die Reichsherrlichkeit war mehr als ein Domfest gewesen, und eine Rede des Königs von Preußen war noch kein Maifeld: neben dem redenden König stand Metternich taub und der Rührung verwundert; leer war der Kaiserthron; Armut stockte, wo einmal die Fahnen der Hansa dem Welthandel wehten.

Friedrich Wilhelm der Vierte hatte viel Bücher gelesen und war ein Meister der Rede, wie ein Schauspieler Klang und Wirkung der Worte kennt; aber er war seiner Zeit fremd und allen lebendigen Dingen feind, die sein romantisches Herrenglück störten.

Als die Jahre seiner Regierung leer liefen, als er im Land herum fuhr zu unaufhörlichen Empfängen, Girlanden, Böllerschüssen und Reden, mußte die Hoffnung der Guten einsehen, daß er ein Narr seiner Worte, keine Tat und keine Hand, kein Fürst und Herrscher, nur ein Redekönig war.

Die Spötter begannen zu munkeln, er liebe die Flasche, sein Wort sei trunken vom Wein, und seine Tränen der Rührung flössen aus einer befeuchteten Seele.

Das niedere Volk, das die ewige Festlichkeit sah, indessen ihm Mangel und Not an den Leib kam, fing an, den frömmelnden König zu hassen.

Die Auswanderer