Und wie es in Sachsen geschah, wurden in Preußen, am Rhein und in Bayern die eisernen Schienen quer über die Felder und Wiesen, durch Hügeleinschnitte und über haushohe Dämme gelegt; staunende Dörfer und schweigende Wälder sahen das rauchende Ungetüm fahren.
Städte, sonst tagefern voneinander, wurden auf Stunden genähert; wer in der Frühe aus Hamburg wegfuhr, konnte abends schon in Berlin den Freischütz hören.
So wurde ein anderes Netz über Deutschland gespannt, als es das Spinnennetz Metternichs war; noch konnten die Grenzen der Fürsten die Strecken biegen und brechen, aber die Schienen bohrten sich durch und bohrten dem freien Verkehr der Völker die Gasse.
Wo die Eisenbahn hinkam, brachte sie Kohle, und wo die Kohle hinkam, konnten die Schornsteine rauchen; so ging der Traum des Reutlinger Schwaben doch in Erfüllung, Handel und Wandel, aus ihrer Enge befreit, wuchsen ins Weite, an seinen Bahnen wollte das Flickwerk der Fürsten ein Vaterland werden.
Der Zollverein
Die Eisenbahn baute die Wege, die Völker im Reich zu verbinden; aber die Zölle legten landaus, landein die Schranken der Fürsten darüber.
Länder und Landschaften, Städte und Märkte hielten mit Eifersucht ihre Grenzen gesperrt; je rascher die Eisenbahn Waren und Güter herbrachte, je zorniger wurde der Zank um den Zoll, der sie tagelang hinhielt.
Die preußischen Länder, vom Rhein bis zum Memel aus langer Erwerbschaft geflickt und seit dem Wiener Kongreß mit der Schere zerschnitten, mußten den Mangel am meisten erfahren: so kam es, daß Preußen die Unrast der kommenden Einheit im Vaterland wurde.
Habsburg und Brandenburg rangen im Reich um die Macht, seitdem der Spötter von Sanssouci Maria Theresia Schlesien nahm; als der zähen Preußengeduld der deutsche Zollverein glückte, waren der Habsburger Vormacht die Stränge zerschnitten.