Mit den kleinen Nachbarn fing Preußen sein zähes Geduldspiel an; die größeren wollten sich wehren, und jahrelang rangen die Mächte im deutschen Bund gegen die preußischen Pläne.

Wie ein böses Geschwür sahen die Herren der Hofburg den neumodischen Bund wachsen, darin statt dem Schwert die Waage des Kaufmanns regierte, darin Habsburg, am Rande des Reiches, nicht mehr das Schwungrad im deutschen Räderwerk war.

Preußen hatte den Rhein, und wer den Rhein hatte, konnte den Handel in Deutschland bestimmen; auch war es die Zange, die norddeutschen Länder zu packen, und die preußische Zange scheute sich nicht, wo sie konnte, zu zwicken.

So wurde erstmals im Zollverein wahr, was deutsche Herzen erhofften; wohl blieben die Grenzpfähle stehen, mit den Farben von vielerlei Fürsten zu prahlen und all ihrem bunten Wappengetier; aber von Preußen nach Bayern, von Hamburg zum Bodensee gingen die zollfreien Waren, als ob das Vaterland Wirklichkeit wäre.

Der Kaufmann hatte gesiegt über den frommen Geheimrat; doch Preußen hatte dem Zoll das Ziel und dem Handel die Wege bereitet; der Fuchs in Berlin wußte genau: der Zollverein war die Vernunft, und die Vernunft war der Vorteil im Zwang der kommenden Macht.

Der preußische Bundesgesandte

Als der preußische Junker Otto von Bismarck nach Frankfurt zum Bundestag kam, war die Paulskirche wieder geschlossen, der deutsche Bund hielt seine Sitzungen ab, als wäre niemals ein März in seinen Winter gefahren.

Der Junker von Bismarck hatte das Handwerk der Diplomatie in keiner Schule gelernt, er konnte reiten, fechten und tanzen, er konnte ein frecher und fröhlicher Kerl sein: weil alle die anderen Gesandten auf Schleichwegen gingen, hörten sie bald seine Stiefel knarren.

Die Märztage hatten dem Junker von Bismarck eine Narbe ins Herz gebrannt, die schwarzweiße Fahne war durch die schwarzrotgoldenen Farben in Schande gekommen: er konnte dem Teufel ins Angesicht lachen, aber die Märzfarben ertrug er nicht.