Mehr als ein Deutscher war er ein Preuße, und mehr als ein Preuße ein Junker: der König war Herr, und er war seiner Herrlichkeit Träger; wer ihm hinein sprach, hatte den König gekränkt; und Kränkungen des Königs ertrug ein Junkerblut nicht.
So paßte der Todfeind des Liberalismus den schwarzgelben Herren der Hofburg; aber sein dreistes Preußentum verdroß ihren Hochmut.
Sie waren gewohnt, im Bundestag ihre Schlingen zu legen, und der Troß der Gesandten war nur die Meute der Hofburg; aber der Junker von Bismarck war weder Hase noch Fuchs oder sonst ein jagdbares Tier, eher ein Jäger und also bereit, sie selber in ihrer Schlinge zu fangen.
Sie waren Meister der Schule, er lachte zu ihren Ränken und stellte die hohe Diplomatie getrost auf den Kopf; er nannte die Dinge tolldreist beim Namen und war seiner Sache gewiß, daß Klugheit und Mut ohne Verkleidung stärker und sicherer wären.
So machte er, der bei den Schwarzgelben heiter zu Tisch saß, der ihren Damen ein witziger Kavalier und ihren Neunmalgescheiten ein dummdreister Gernegroß schien, die schwarzweißen Farben wieder frisch, die seit Olmütz verstaubt waren.
Nur das Volk sah nichts als den preußischen Junker in seiner Hünengestalt; ihm galt der Preußengesandte in Frankfurt der Todfeind des Vaterlandes und der Klopffechter verschimmelter Fürstengewalt.
Der Regent
Der König von Preußen hatte die schwarzrotgoldene Schärpe getragen und war nach Olmütz gegangen; er hatte geschwärmt und geredet und Kirchen gebaut, er hatte die Hoffnung, den Groll und die Ohnmacht der Deutschen nacheinander betrogen: als er ins Alter kam, waren nur schwankende Schatten von seinem Umriß geblieben.
Lange bevor ihn ein Schlaganfall hinwarf, seinen Schwarmgeist völlig umnachtend, hatte der festere Schatten von seinem Bruder hinter dem König gestanden, wie ein Pfahl bei dem schwankenden Baum steht.