Aber das Lied, einmal so stark in den Herzen, wollte nicht klingen; ein Dämon, das fühlten sie alle, hatte das Wunder gemacht: die deutsche Seele, blaß und erschrocken, ahnte, daß dies nur ein Anbeginn war, sie wartete stumm auf den Fortgang, weil ihr vor dem Bruderkampf graute.

Gastein

Schleswig-Holstein, meerumschlungen, war dem Seehund entrissen, aber die Dogge duldete nicht, daß Friedrich der Achte als Herzog ins Land kam; vor der preußischen Haustür sollte kein neuer Bundesstaat sein.

Seit Friedrich der Große Schlesien nahm, hatte kein Landgewinn so den preußischen Dämon gelockt; wie damals war wieder ein Mut da, kalt und verwegen, um solchen Gewinn den höchsten Einsatz zu wagen.

Die Bundesgesandten in Frankfurt hörten die knarrenden Stiefel des Junkers von Bismarck; sie waren gekränkt, daß er den hitzigen Eifer der schwarzgelben Fahnen nach Schleswig-Holstein gelockt, aber die Bundesarmee kalt abgewehrt hatte.

Und wie die Bundesgesandten, so haßten die Völker den preußischen Junker, daß er so dreist das alte Mächtespiel trieb; sie wollten ein deutsches Vaterland sein und wollten die friesische Nordmark friedlich und frei im deutschen Staatenverband haben.

Indessen der Herzog der schleswig-holsteinischen Stände sein Glück schwinden sah, gingen die Boten von Wien nach Berlin: der neue Zankapfel hatte den alten locker gemacht, Schlesien wurde für Schleswig gewogen, ein Handel sollte den Machtstreit begraben.

Dem schmählichen Handel zu wehren, hoben die Bundesgesandten in Frankfurt den Schild der Gerechtigkeit auf: das neue Bundesland müsse sein Schicksal selber bestimmen; ein Landtag, in Schleswig-Holstein gewählt, könne das einzige Schiedsgericht sein!

Solche Gerechtigkeit konnte der Junker von Bismarck nicht brauchen; Eisen und Blut sollten entscheiden, noch aber war ihm das Spiel zu gewagt: dem Gegner die letzte Falle zu stellen, lockte er ihn nach Gastein.