Als Sohn der Gewalt gekommen, war er ihr strenger Richter, und seiner Ordnung Sinnbild war, daß er im Gotenreich zur Nacht kein Stadttor schließen ließ.

Was noch an Bauwerken der alten Welt erhalten war, ließ er nicht weniger schützen als, was in seiner Gunst entstand, im Geist der alten Schönheit planen: Standbilder schmückten wieder die Straßen Roms, den Großen zum Gedächtnis, und nirgend prahlte vor der alten Pracht die seine.

Kein Schwert war stark genug im Abendland, an seine Macht zu rühren; wohl aber kamen die Gesandten der Könige und Völker, Rat und Richtspruch anzuhören; auch lockte seine Friedenssonne die Künstler und Gelehrten an, dem Königshof in Ravenna den Glanz und die Pracht zu geben, die seinem Ruhm gebührte.

Die er als Bauleute berief, ihm einen Königshof zu bauen für seinen Thing und Reichstag, meisterten die Kunst, Marmor zu schneiden; auch gab es griechische Steinmetze und solche, die noch den Bildguß kannten.

So kam der Bau zustande, den er des Reiches redendes Zeugnis und seiner Herrschaft schmuckvolles Antlitz nannte.

Acht Pfeiler trugen das Kuppeldach, mit tönernen Röhren rund überwölbt, acht Nischen nahmen dem Raum die Nähe der Mauern, acht Säulengestände rundum führten ihn zierlich ins Breite.

Eine Waldlichtung innen aus wächsernem Marmor, glühend im Glanz farbiger Gläser, mit Steinmetzwerk nach außen reich überstreckt, den Tempelhallen der Römer zum Trotz in sich selber verschränkt mit ragender Kuppel: so stand der Wunderbau da, desgleichen nicht in der Welt war.

Da hielt der König der Goten den Thing, wenn die wohlregierte Gewalt des Reiches die Großen zur Rechenschaft sandte; im schmuckvollen Torbau grüßten die Steinbilder amelungischer Ahnen sein stolzes Geschlecht.

Da fanden die vielverschlagenen Schwerter sich in die gotische Heimat zurück, im Glanz der Stunde und Stätte ein glückhaftes Märchen, wenn der starkweise Dietrich den staunenden Römern die Herrscherhand zeigte, der den Goten Volkskönig war, vielen ein Vater, den Gerechten und Weisen ein gütiger Freund.

Dietrich von Bern