So konnte endlich das Wunder geschehen: im Spiegelsaal zu Versailles standen die Fürsten und Stände der Staaten, Minister, Generäle, Soldaten, dem greisen König von Preußen die deutsche Kaiserkrone zu bringen.
Das Schuldbuch der Menschen
Der Reichstag
Tapfere Dinge waren getan, und Großes war ruhmreich gegründet: wie seit den Staufern nicht mehr war das Vaterland mächtig, Deutschland war wieder ein Reich, und ein Kaiser stand über der Vielheit der Fürsten.
Aber es war nicht mehr der alte Fürstenbau; weder in Aachen gekrönt noch in Frankfurt gefeiert, blieb der Kaiser von Deutschland König in Preußen; der eiserne Kanzler gebot an der Spree; die Krone im Rhein lag versunken.
Scharf schnitten die Grenzen das neue Reich ab von den feindlichen Völkern; Dänen, Franzosen und Polen sahen mit Haß die Fahnen schwarzweißrot wehen, indessen die Deutschen von Österreich und Tirol, von Salzburg und Steiermark im bunten Staatenverband der Habsburger Erbherrschaft blieben.
So hielt die harte Preußenhand eine kargere Kaisermacht fest als die der Staufen, Franken und Sachsen: aber sie war durch den Willen der Völker, nicht durch die Willkür der Fürsten gehalten.
Zweiundzwanzig Residenzen, Höfe und Fürsten hatten sich aus der Vielheit gerettet, und Thüringen trug noch das alte Narrengewand; ihr Bundesrat saß in Berlin, er konnte dem Reichstag der Deutschen Hemmschuh und Hindernis, aber nicht mehr die alte Herrengewalt sein.