Da saßen die Boten der Deutschen von Schleswig bis Lindau, von Schlesien bis Xanten, von Straßburg bis Memel, dem Vaterland die Hände frei zu halten durch den Willen des Volkes.
Da gab es nicht mehr die Stände der alten Reichsherrlichkeit, nur Stimmen: Arbeiter-, Bürger- und Bauernschaft galten nach ihrer Zahl; Gleichheit, Freiheit und Brüderlichkeit sollten die Hüter und Walter der deutschen Volksrechte sein.
Die alte Zwietracht
Durch Eisen und Blut war Deutschland einig geworden, die Eintracht des Krieges hatte dem Frieden die stolze Frucht eingetragen: nicht länger mehr sollte die Zwietracht das deutsche Verhängnis bedeuten.
So waren die Sieger bekränzt aus Frankreich wiedergekommen, so hatte der Jubel in Deutschland Greise und Kinder, Männer und Frauen erfüllt, so stand der Frühlingstag hell, da in Berlin die Truppen einritten mit ihrem König und Kaiser.
Als aber der Reichstag die Stimmen gezählt hatte, als die Sendlinge ankamen aus allen Gauen, als sie eintraten in den Saal, dahin sie einträchtig zu raten gesandt waren, saßen sie vielfältig nach Parteien.
Zur Rechten die Junker und alle die Alten, die sorgenvoll in die neue Zeit sahen; zur Linken die Neuen und Demokraten: beide Hände wollten dem Reich das Gleichgewicht halten, die Dränger den Siegelbewahrern des Alten.
Doch in der Mitte schob eine schwarze Schar ihren Keil zwischen die streitbaren Hände; sie wollten das Reich nicht von rechts und links der neuen Preußengewalt, sie wollten die alte Herrlichkeit haben, da sich der Bogen der römischen Kirchen- und Reichsgewalt über die Christenheit spannte.
Der Papst und der Kaiser hatten der Kirche den Bogen über die Völker gehalten; der aber nun Kaiser hieß, war ein Ketzer, und der als Kanzler die starke Regierungsgewalt übte, war ein Preuße und Protestant.