Sie aber blieben der römischen Kirche gehorsam und wollten nicht dulden, daß ihrer Geltung im Reich der Preußen und Ketzer Geringes geschähe; darum saßen sie da in der Mitte und ließen sich schelten, daß sie die schwarzen Raben vom Kyffhäuser wären.
So wurde der uralte Streit noch einmal entfacht, was dem Papst und dem Kaiser gehöre; der römische Papst war die Sonne der christlichen Welt, unfehlbar hieß er sich nun: wollte der preußische Mond aus eigenem Licht leuchten, so war es vom Teufel.
Noch einmal wurden die Worte von Worms und Augsburg gesprochen, noch einmal wollte der deutsche Mann dem römischen Übermut wehren: der Schwedenkönig ritt um im Gedächtnis von Lützen, und die feste Burg Luthers wurde gesungen.
Kein Wallenstein kam, und Magdeburg brauchte die Brandfackel Tillys nicht mehr zu fürchten: die Schwerter hatten gerungen, bis Deutschland ein Leichenfeld war; nun rangen die Stimmen.
Aber die jubelnden Herzen mußten noch einmal den wilden Untergrund spüren, darauf die neue Herrlichkeit stand; indessen die Tore und Türme der Einigkeit noch bekränzt waren, kamen die Raben der Zwietracht geflogen.
Wir gehen nicht nach Canossa! trotzte der Kanzler; aber der eiserne Mann, der Habsburg besiegte und den dritten Napoleon fing, der dem Abendland stärker als sonst ein Mann seiner Zeit das Gesicht gab, der Graf von Gastein und Fürst von Versailles mußte das unbedachte Wort büßen.
Die neue Zwietracht
Ein Jahrtausend deutscher Geschichte hob sein Gesicht zur Gegenwart auf, als die schwarzen Männer im Zentrum noch einmal den Streit der Kirche begannen; das Gesicht war von Gram und finsteren Leiden zerrissen.
Aber der Bogen, einmal der Christenheit mächtig, war nicht mehr gespannt; die Augen, glühend vor Haß, waren erloschen.
Wohl wußte der Mund noch die Worte, aber sie zückten nicht mehr: aus Schicksal war Zank, aus Schuld war Schmähung, aus Haß war hitziger Eifer geworden.