Bayreuth

Einer aber ging durch die Gegenwart hin, mit seinem Taktstock der Zeit einen neuen Pulsschlag zu bringen.

Als die Deutschen nach Frankreich marschierten, war er schon grau; in Triebschen am See von Luzern saß er landfremd und verlästert: aber die Lohe brannte um seinen Garten, und die sein Angesicht sahen, erkannten den Dämon darin.

Wie Klingsor der Zauberer war er gekommen, den Singsang braver Musikmeister mit höllischen Künsten zu stören; und als einen Dämon des Königs hatte die Hetze den herrischen Mann aus München vertrieben.

Denn anders als sonst ein Fürst war Ludwig der Zweite von Bayern; ihn hatte der Zauber berührt, der um den romantischen Kaiser der Sage im Kyffhäuserberg war: König sein hieß ihm der Schönheit gehören, die über der Täglichkeit kalter Geschäfte und lauer Genüsse mit goldenen Fäden am Himmelreich hing.

Schlafwandelnd ließ er die Dinge des Tages geschehen; wo aber ein Mensch aus der Ewigkeit kam, säumte er nicht, mit Fackeln zu leuchten, daß er zur Nacht den Weg in sein Königsschloß fände und seinen Thronsaal der Träume.

Richard Wagner den Zauberer hatte der eigene Dämon zum Flüchtling gemacht; hingerissene Liebe, Verzückung, Unverstand, Bosheit und Not waren um seinen Lebensweg, bis er im Thronsaal der Träume den Schlafwandler fand.

Der hieß den Kahn bringen, der aus Ebenholz war, und der Bug war von Silber, das Licht ein Rubin, durch blassen Opal wie rinnendes Blut bleich leuchtend auf purpurne Kissen.

So fuhr er hinaus in die Nacht, dem Zauberer und seinen Tönen zu lauschen, die aus der ewigen Melodie des Wassers im Wind, aus der ewigen Unrast der Menschenbrust, aus Werden, Sein und Vergehen der ewigen Wiedergeburt kamen.

Wenn Tristan den Liebestrank nahm von Isolde, wenn er den König verriet und den Verrat büßte mit seinem Leben, um dennoch der tödlichen Liebe selig zu sein: dann konnten nicht Lieder und Arien singen, dann mußte Musik der ewigen Waltung ertönen, ewige Unrast, ewige Sehnsucht, niemals Erfüllung, nur selig gefühltes Erfülltsein.