Ludwig der König horchte den Tönen, als ob es der Weltgruß wäre für seine schlafwandelnde Seele; aber die Münchener haßten den landfremden Zauberer, und wie sie die Tänzerin Lola austrieben, so taten sie ihm.

Sechs Jahre lang saß er in Triebschen, noch einmal ein Flüchtling, aber sein Zauber hielt den König im Bann aus der Ferne; als das deutsche Kaisertum aufstand, als wieder ein Reich und Raum war für große Dinge, rief der König Richard Wagner zurück, sie zu gestalten.

Einmal war Baukunst die Mutter der Künste gewesen, nun wollte Musik, ihre Schwester, den Zauberdom bauen; alle Künste sollten ihr dienen, daß der Menschengeist endlich von seiner Zerspaltung genese: in Bayreuth sollte die Gralsburg sein, der Welt zur Erlösung.

Als im Festspielhaus zu Bayreuth die ersten Töne erklangen, als der greise Kaiser neben dem romantischen König saß, den Zauber zu hören, als die Bühnen in Deutschland dem Bann von Bayreuth verfielen, als die Nibelungen allerorten ihr Getön und Gepränge begannen: da schien ein anderer Zauber gelungen, als den der Trompeter weckte.

Der Bürger mußte sich wieder der Größe beugen; der Bann von Bayreuth zwang die Herzen nicht weniger hin als der eiserne Bismarck die Hände.

Der Dämon des Königs von Preußen hatte das Reich durch Eisen und Blut wieder errichtet; der Dämon des Königs von Bayern machte das Tor zur alten Herrlichkeit auf: was starke Hände ergriffen, sollten die Herzen als Heiligtum halten.

Aber das Heiligtum war ein Theater geworden; wie einmal die Glocken des Münsters die Heiligen riefen, so taten nun seine Posaunen; daß sie die letzte Verwandlung vermochten, mußte die Heilsmusik der Erlösung im Parzival tönen.

So war der Zauber von Bayreuth vollendet; aus aller Welt kam die Gläubigkeit her, ihm zu lauschen: der Priestergott hatte die letzte Verwandlung begonnen, das Mirakel der Messe war auf die Bühne gestiegen, das Kreuz von Golgatha stand auf dem Dach des Theaters.

Bruckner

Indessen der Weihrauch in Bayreuth um solche Zauberei dampfte, indessen Tannhäuser und Wolfram, Elsa und Lohengrin, Siegfried, Walküren und Rheintöchter das deutsche Theater erfüllten, saß der Hofkapellorganist Anton Bruckner in Wien und spielte die Orgel, wie weiland Johann Sebastian Bach.