Denn leben hieß ihm, daß eine Seele sich selber zusah, wie ihr die Dinge der Erde das Licht und die Luft verstellten, wie irgend ein Zufall sie mitten ins Schicksal hinein wehte, und wie ihr doch nie ein Neues geschah.
Denn Licht und Luft und Schicksal waren der Ewigkeit eingestellt wie eine Herde der Hürde; sie konnten blenden und blasen und blindes Ungestüm tun: einmal war doch wieder Nacht und Stille und das Glück der Sterne.
Auch war die Erde rund und zu klein, ihr zuliebe zu rennen: einer ging fort nach Osten und kam aus Westen zurück, weil Osten und Westen sich drüben die Hand reichten.
Groß und weit allein war die Tiefe der Zeit, war die Tiefe des Raumes; da konnte die Seele den Geist als Sendboten schicken, da konnte er seine Kühnheit auskosten bis an die Grenzen des Nichts, das immer von neuem nur Nichtigkeit war: Nichtigkeit vor den Menschen, aber die Allgegenwart Gottes lebte darin wie der Ton im Gehäuse der Geige!
Alles das dachte und sagte der einsame Mann in seinem Dachsbau zu Braunschweig, und alles das wurde die Fracht seiner großen und kleinen Geschichten; aber die neue Zeit rannte vorbei an der alten, sie sah den Sommertag nicht in Seldwyla, sie beachtete nicht sein Gerümpel.
Die Neuzeit
Der guten alten Zeit wuchsen die Türme der neuen Zeit über die Dächer: alles, was dunkel und dumpf und beschränkt war, wollte sie hell und gelüftet und grenzenlos machen; denn der Menschengeist hatte die Elemente gebändigt.
Dampfzüge brachten auf eisernen Schienen die Güter herbei; die hohen Hallen der Bahnhöfe standen im Lärm und Rauch der Maschinen; rund um die Städte wuchsen Fabriken hinaus in die Felder; Kohle und Eisen, die Schätze der Erde, wurden in Waren und Wohlstand verwandelt.
Der Stadtbürger brauchte nicht mehr die Groschen zu zählen, der Taler rollte, und prahlend wollte die Neuzeit den neuen Reichtum zur Schau stellen.