Da kam die Fülle breit an den Tag: der Schalk von Seldwyla wurde der Meister der Zürcher Novellen; das Sinngedicht und die Sieben Legenden legten ihr Gold auf die Waage, bis endlich Martin Salander das stattliche Bürgerhaus mit seinem Reichtum erfüllte.

Der Malergesell in München, der dichtende Wandervogel im Reich, der Freund vieler Männer von Achtundvierzig war wieder der Heimat verwachsen, der deutsche Dichter war Eidgenoß, der Eidgenoß ein Zürcher geworden.

Das neue Reich hatte die Grenzen der Macht karg abgeschnitten; eine Stimme von draußen war der Meister Gottfried den Deutschen, der die Stimme des Blutes trotz Einem im Reiche war.

Wilhelm Raabe

Indessen Seldwyla der deutschen Seele ein fröhlicher Sommertag wurde, aber nur wenige sahen die Türme und Wimpel der seltsamen Stadt, grub die selbe Seele in Braunschweig den Dachsbau all ihrer verzwickten Verstecke.

Der da die Chronik der Sperlingsgasse, den Hungerpastor, den Schüdderump schrieb und die schier endlose Fracht großer und kleiner Geschichten: Wilhelm Raabe, der Dichter und Sterndeuter deutscher Vergangenheit, liebte die Schlupfwinkel mehr und die heimlichen Gänge als den fröhlichen Tag.

Auch ihm behagte das neue Reich nicht, obwohl es dem Mann mitten ins Leben hinein kam, nicht erst im Alter; der neue Glanz war seinen Augen zu grell, die das alte Lampenlicht liebten, lieber noch in die Dämmerung sahen oder hinauf in die Sterne.

Früh seßhaft geworden und seiner norddeutschen Heimat so innig verbunden, daß er selber ein Stück Norddeutschland war, Kleinstädter von Neigung und Wesen, gern auf dem Wall die gewohnten Gänge spazierend und mit der Pfeife beim Glas unter den Stammgästen sitzend: blieb er der alten Zeit treu, die der neuen nicht nachrennen konnte.

Der alten Zwietracht als Protestant still zugehörig, der neuen fremd wie ihren Fabriken, aber der dritten feind, wie eine verschlossene Haustür den Dieben feind ist, sah er dem Wandel der Welt zu mit schweigender Wehmut und listigem Lächeln.

Er wußte genau, sie liefen am Leben vorbei mit ihren Geschäften, mit ihren Fahnen und Trommeln, mit ihrem Lärm um das Heute, mit ihrem Streit und Geschrei.