Alles war wie zuvor, die Waffen starrten im Gleichgewicht und der Frieden hing an der Waage: nur die heimlichen Tiefen der Mächte hatten sich trübe gefüllt.
Ein Vierteljahrhundert war seit den stolzen Tagen vergangen, da Bismarck als ehrlicher Makler am Tisch saß, obenan bei den Mächten; ein Vierteljahrhundert hatte den Haß gegen Deutschland gerüstet, und der ihm der treueste Freund schien, war in der Rechnung der Mächte sein gefährlichster Feind.
Habsburg
Das Habsburger Kaisertum war die Erbschaft vergangener Fürstengewalt über widerstreitende Völker: Ungarn und Tschechen, Polen, Slowaken, Ruthenen, Kroaten und Serben, Rumänen und Italiener waren der deutschen Vorherrschaft feind.
Und keiner Regierung gelang es, den Ausgleich zu finden; was den einen zuliebe geschah, geschah den andern zuleide: ein babylonischer Turm blieb der Reichsrat in Wien mit seiner Völker- und Sprachenverwirrung.
Bunt wie das Völkergemisch war auch das Wechselspiel seiner Minister, der klugen und dummen, der gerechten und schlechten: die Völker im Reichsrat ließen sie kommen und hießen sie gehen; und keiner war mehr als ein flüchtiger Schatten.
Nur der Kaiser Franz Joseph in Wien gab seinen schläfrigen Stundenschlag durch die Verwirrung; seit Metternich ging, war er da, längst mehr als ein halbes Jahrhundert; die Kaiserin wurde erstochen, der Kronprinz, sein einziger Sohn, lag auf der blutigen Bahre: den Kaiser Franz Joseph hatte das Schicksal vergessen.
Ein kahler Baum im Schlinggewächs streitender Völker war die Habsburger Macht; ein geiler Trieb wollte ihm neues Holz geben: der Thronfolger-Erzherzog wollte noch einmal ein Habsburger Ferdinand sein.
Denn die Kirche allein war die Einheit der streitenden Völker in Österreich, nur ihr gehorsamer Diener konnte noch einmal die Vielheit beherrschen: und Franz Ferdinand war ein gehorsamer Diener der Kirche.