Moskau
Die rote Zwietracht hatte gesiegt, wie ein Strandräuber siegt, wenn der Sturm das Schiff auf den Sand wirft; Frieden, Arbeit und Brot hatte sie prahlend verheißen, aber das Schiff war leer und in den Fugen gebrochen.
Ein halbes Jahrhundert lang hatte sie auf die Stunde der Herrschaft gefiebert; als sie nun kam über Nacht, als die rote Fahne sich blähte auf allen Dächern, konnte sie auch nur im Wind wehen; aber der Wind wehte von Osten.
Wo einmal der Zar als Herr aller Reußen despotisch regierte, hatte die rote Zwietracht am ersten gesiegt; und was in Deutschland nur ein Novemberwind war, hatte im russischen Frühjahr den Winter gebrochen.
Die Räteregierung des russischen Volkes in Moskau kannte den Bürger nicht mehr und war der Bauernschaft Herr durch die rote Armee der Fabrikler: sie hatte der goldenen Spinne den Kopf abgeschlagen und saß im Blut wartend, daß nun das Wunder geschähe.
Wehe den Besiegten! stand über dem Tor von Versailles; aber die Sieger im Westen wollten dem Schicksal die Türen zuhalten, durch die nun der Osten hereinbrach, die Fragen der Menschheit zu stellen:
War eine Menschheit, die solchen Massenmord um das Wohlsein der Völker rüsten und ausführen konnte, war eine Menschheit wie diese noch wert, so zu heißen?
War es ein Unglück, das über sie kam, oder war es ein Schicksal, verdient und notwendig, weil Raub- und Gewinngier des Abendlandes einmal sich selber auffressen mußten?
Die in den Erdhöhlen des Krieges wie in den Fabriken des Friedens um kärglichen Lohn den gemeinen Mann spielten: sollten sie länger ertragen, daß in Versailles die goldene Spinne dasaß, das alte Beutespiel neu zu beginnen?
Hatte die goldene Spinne nicht ihren Leib noch im Krieg vollgefressen, wie sie mit blutigen Zangen auf Massengräbern dasaß, der Armut das Blut auszusaugen? und war es nicht Zeit, ihr den Kopf abzuschlagen?