Der gotische Königssohn Hermingild freite Ingunthis, Brunhildens liebliche Tochter; aber Godswintha, Brunhildens Mutter, war seinem Vater Leovigild im Alter noch einmal Gattin geworden.
Godswintha holte dem Stiefsohn die Enkelin selber ins Haus; aber Ingunthis war fränkisch und fromm, ihr galten die Goten als Ketzer.
So neigte dem Hermingild bleich und schlank eine Lilie zu; Godswintha, die Großmutter, sah die Wurzeln in Dornen und Unkraut.
Das Alter war häßlich und grausam, die Jugend war schön und gerecht: sie ließ sich schmähen und schlagen und trug die Lilienstirn stolz mit dem Dornenkranz ihrer Leiden.
Leovigild aber, der Vater, wollte nicht Zwietracht und Zank im Hause des Königs, er bannte das böse Zerwürfnis und sandte den Sohn als Statthalter nach Sevilla.
Da saß Ingunthis, die schöne im andalusischen Land und heilte die Lilienstirn im zärtlichen Wind ihrer Wochen; die Kirche bot Balsam und Weihrauch und weihte das Dornenkränzlein zur himmlischen Krone.
Die geistlichen Boten kamen und gingen im Eifer bischöflicher Sendung, der Heilquell kirchlicher Gnaden brach auf: da wurde das Knäblein römisch getauft, und Hermingild konnte nicht länger als Ketzer die Lilienfrau kränken.
Er trank aus den Händen der frommen Ingunthis das Gift der Empörung, er wurde der Kirche gehorsamer Sohn und brach dem Vater und König die Treue.
Drei Jahre lang schlugen die gotischen Waffen im Zeichen des Kreuzes; aber Leovigilds Hand griff hart in die römischen Dornen: auf der Burg Osser gefangen, lag ihm der weinende Sohn zu Füßen, der um den Glauben der schönen Ingunthis in Bitterkeit kam.
Der König war stark und sein Herz stand nicht still, das Blut seiner Väter zu bitten; aber der Sohn trug die Krone der Lilienstirn stolz und beharrlich, bis ihm das Beil des Gerichts den Sühnetag seiner himmlischen Leidenschaft brachte.