Pipin der Kleine

Hausmeier hießen die Franken den Kanzler des Königs; seinen Hammer hob Karl in Theuderichs Namen; aber der König war nur der Siegelring seiner Hand, und als ihm Theuderich starb, ließ er den Thron und die Krone leer im Palast und ritt allein auf das Maifeld.

Auch ließ er das Reich seinen Söhnen, als ob es sein eigenes wäre; er ließ es stark und gerundet und hatte den neidischen Groll der Großen zerschlagen mit seinem Hammer.

Karlmann und Pipin hießen die Söhne; sie holten den Childerich her aus dem Dunkel unnützer Tage und hoben ihn auf den Thron; sie führten Kriege und mehrten das Reich und hielten den König im goldenen Käfig.

Aber Karlmann verdrossen die Dinge der Welt, er tauschte das Kleid mit der Kutte und ließ dem jüngeren Bruder den Teil seiner Macht: so wurde Pipin allein Hausmeier im Frankenreich und hielt den Hammer des Vaters.

Sie hießen ihn Pipin den Kleinen, doch groß war die Gewalt seiner kurzen Gestalt: Alemannen, Burgunder, Bayern, Friesen und Sachsen mußten dem Zornigen büßen, und klein blieb der Trotz seiner Großen.

Da hob er den Blick auf den Thron und sah den Childerich sitzen, gebeugt von der Last seiner Krone; er nahm ihm das Gold von der grämlichen Stirn, er ließ ihm das Haupthaar scheren und tat den Geschorenen still in ein Kloster.

Ihm aber mußten die Großen ein neues Königskleid reichen, und die Kirche brachte das Öl, ihn prunkvoll zu salben, der ihrer Geltung im Abendland ein Schwert und ein treuer Türhüter war.

Sie hießen ihn Pipin den Kleinen und freuten sich seiner Stärke, sie sahen das Schwert bei der Krone, aber sie hörten den Schwur auf das Kreuz; sie sangen das Lied auf den König der Franken und lauschten der römischen Orgelgewalt.

Karl der Große