Sie sangen von Dietrich, dem starkweisen König der Goten, wie er die Rabenschlacht schlug und wie ihn der Schimmel Wodans heimholte, als wilder Jäger zu reiten in höllischen Nächten.

Sie sangen von Brunhild, der heldischen Frau und ihrer furchtbaren Feindin, wie sie den Männern zum Trutz ihre Burg hielt und wie sie den Stolz büßte.

Sie sangen das schmähliche Leid der schönen Ingunthis, wie die schneeweißen Hände Magdarbeit taten in bitterer Kälte; klagend stand sie am Meer und sah nach den Schiffen.

Sie sangen von Gundikars Burg und dem Übermut seiner Recken, von seiner schmählichen Schuld und dem unendlichen Blutstrom der Sühne; sie sangen von Hagen, dem finsteren Helden blinder Gefolgschaft; sie gaben dem Spielmann Volker den Preis der fröhlichen Kunst, lachend zu leben und lachend zu sterben.

Die Lieder liefen ins Land wie schäumende Bäche, sie suchten und fanden ihr Bett im Strom, der die Taten und Leiden, den lachenden Trotz und die standhafte Stärke germanischer Frühe hinein ins Urgebraus trug, in das rauschende Naß Ymirs des Riesen, in die donnernde Brandung der kalten Meerküste.

Da fuhr das Totenschiff Baldurs hinein in den Norden asischer Herkunft, da hellte die Lohe den nächtlichen Himmel, da wurde Siegfried der Erbe des göttlichen Jünglings, da kam dem Cherusker der Glanz in die Locken, da hob er die Kraft und das gleißende Gold aus den Höhlen der Albengeschlechter.

Da band die Sage den Heldenbericht ein in den Kampf der Asen und Vanen; da fanden der Trotz und die Kraft, der Mut und die Treue der nordischen Männer ihr strahlendes Gleichnis.

Das Schuldbuch der Götter tat seine Blätter zum andernmal auf im Schicksal der Menschen.