Wodan, die wehende Unrast lag in Sankt Peter begraben, aber der Spuk seines Daseins sank in die nordischen Seelen wie Heimweh.
Die Glocken bellten den Sieg des Gekreuzigten aus von den Kirchen und Klöstern, und manche wurden von römischen Mönchen mit in die deutsche Wildnis gebracht.
Aber der Wind Wodans nahm den ehernen Schall in die herrische Hand; er stieß ihn hoch an den Felsen, daß er heulend zerbrach; er warf die jammernden Stücke hinein in die trotzig schweigenden Wälder.
Wo die Füße der Ewigkeit gingen in der Waltung natürlicher Mächte, wo der Donner wohnte im Horst der Wolken und Wetter, wo die Sterne der Nacht heimlich ihr Strahlengebind wuschen im Abgrund der toten Gewässer: hielt Wodan zornig Gericht und sandte die Sturmgeister aus in die Ahnungen einsamer Nächte, die Ungetreuen zu schrecken.
Der König der Juden hing kalt am Kreuz seiner Leiden: aber die Räder rollten im Wetter, Donar stand hoch mit dem Hammer und warf die zackigen Blitze, Freya sank mit der Abendröte hinunter zur Nacht, Baldurs Scheite lohten im Sonnenwendfeuer, und in den heimlichen Gründen saß Frigga, die Brunnen des Lebens zu hüten.
Die aber der Götter Lieblinge waren, hielten das Mahl im Ruhm ihrer herrlichen Taten; die Sänger stiegen die goldenen Stufen hinunter zum Brunnen der heiligen Herkunft, sie holten das Mahnwort der Sage herauf und die Wundersucht ihrer Lieder.
Sie sangen dem männlichen Mut das Lob seiner Macht, und der Stärke den Stolz ihrer Stunde; sie gaben dem Leben das Schwert in die Hand und lachten der knieenden Demut; sie hießen die Stärke gesund, die Schwäche verächtlich; sie taten der trotzigen Tat das Königskleid an und dem Zweifel das Narrengewand.
Sie sangen von Siegfried, dem kühnen Bezwinger der Drachen und Alben; die holdeste Frau war sein Preis, aber die treulose List seiner Sippe warf den Herrlichen hin; aus Liebeslust wurde die blutige Not im Haß der Geschlechter.
Sie sangen von Etzel, dem König der Hunnen, und wie er die blonde Hildico freite, Siegfrieds verratene Frau; aber der schwarze Zwingherr der Welt starb in der blutigen Brautnacht.
Sie sangen von Schwanhild und Randwer, wie sie den Wein verbotener Liebe genossen, dem greisen König zur Schande; die Rosse Ermanerichs schleiften die schöne Schwanhild, und Randwer, der Sohn, büßte die Gunst seiner Mutter am Galgen.