Als in der Christmesse das Heergefolge des Frankenkönigs sich durch die Römer drängte und Karl, der Schwertgewaltige, in Andacht kniete vor dem Altar der Peterskirche, da krönte ihn der Papst, und die Lateiner stimmten ein in den bestellten Ruf:
Carolus Augustus, dem von Gott gekrönten friedenbringenden Cäsar der Römer, Leben und Sieg!
Es war ein Franke, den sie zum Kaiser riefen, ein Franke, der morgen Rom schon wieder den Rücken kehrte; aber so verkehrte sich das Angesicht der Welt:
Roma die vielerfahrene ließ ab vom Morgenland und huldigte dem Starken, der von Norden in ihre Netze kam, ließ Syrien und Ägypten, Kleinasien und Byzanz, weil sie die Herrin bleiben wollte in der neuen Zeit, wie in der alten.
Der Frankenkönig aber, der sonst in einem Wams von Otterfell ging und als Patricius der Römer den Seinen fremd dastand in römischen Gewändern: er fühlte die Krone auf seinem Haupt von Gottes Gnaden und staunte, das Reich Gottes sei doch von dieser Welt, weil er sein Herrscher und der treue Diener der Priesterlehre war.
Der gläserne Grund
Als Karl der Große begraben lag in seinem Münster zu Aachen und Ludwig der Fromme, sein Sohn, Herrscher des Frankenreichs war, von Karl zum Kaiser gekrönt mit eigener Hand, stand vor dem Königsgebäude noch immer das eherne Reiterbild Dietrichs von Bern aus Ravenna.
Denn der die Stämme der Sachsen, Alemannen, Bayern und Langobarden in harten Kriegen bezwang, war Uferfranke und deutschen Geblüts: seine Sprache war deutsch, auch trug er sich fränkisch und legte nur zweimal in Rom das Prachtgewand römischer Kaisermacht an.
Wie sein Münster in Aachen gebaut war nach gotischem Vorbild, und wie er die deutsche Predigt verlangte, so ließ der Kaiser die Lieder aufschreiben von Siegfried, Dietrich und Hildebrand und die uralten Göttergesänge.
Aber sein Sohn von der schwäbischen Hildegard zeigte niemals lachend die Zähne und wäre lieber ein Mönch, denn ein Kaiser gewesen; er warf die Lieder der Deutschen, vom Vater mit Eifer und Ehrfurcht gesammelt, ins Feuer, schaudernd vor dem Abgrund der heidnischen Herkunft.