Das Buch der Kaiser

Kaiser und Kirche

Mancherlei Völker wohnten im Abendland, und Könige herrschten nach ihrer Stärke; aber die Kirche kannte nicht Grenzen der Sprache noch Grenzen des Schwertes, sie ging auf den Wegen der eigenen Macht und hatte sich selber den Schirmherrn gesetzt.

Sie war die römische Weltmacht in neuer Gestalt, aber sie war es von Gott: Statthalter Christi hießen die Priester den Papst, der das Reich Gottes auf Erden regierte.

Durch ihre Gunst war der Kaiser über die Völker und ihre Könige eingesetzt; er war die Hand, ihr das irdische Schwert als Schirmherr zu halten, sie war das Haupt der göttlichen Weisung.

Sie war das Haupt, und er war die Hand – aber die Rechnung war falsch: als die Kirche den König der Franken als Kaiser ausrief, rief sie sich selber den Herrn.

Sie war das Weib, und er war der Mann; sie konnten einander in Freiheit gehören und in der christlichen Liebe einander untertan sein: aber die erste Stunde des Streites schrie nach der Stärke.

Der Streit der Stärke begann, als Karl seinen Sohn im Dom zu Aachen sich selber die Krone nehmen und aufsetzen hieß; der Streit der Stärke hob sich gewaltig in Hildebrands Zorn; er schien für die Kirche gewonnen, als Innocenz die Kronen Europas verschenkte.