Aber der Streit ging um die Stärke, nicht um den Bettel der Tage; er ging im Namen des Reiches, das nicht von dieser Welt war.
Der Streit hob das Banner der Kirche über den römischen Zank und über die Eifersucht von Byzanz; er hielt der Statthalterschaft Christi das Siegel der ewigen Gleichung bewahrt unter den sterblichen Händen seiner Verweser.
Der Streit gab dem Starken von Norden das Panzerhemd einer höheren Sendung, als Mehrer der Hausmacht zu werden; er hielt dem Reichsschwert die uralte Herkunft lebendig, unter den irdischen Waffen das Kriegsschwert Zius zu sein. Ein Bogen war über den abendländischen Himmel gespannt vom Kaisersaal nach Sankt Peter, ein Bogen des Schicksals, glühend in anderen Farben, als die Erde sie blühte.
Der Bogen stand grell im geballten Gewölk, von Blitzen zuckten die Berge, Brandsäulen stiegen steilauf, die Ernte lag vom Hagel zerschlagen: der Bogen stand als ein himmlisches Tor, der bangen Erde den ewigen Eingang zu leuchten.
Mancherlei Völker wohnten im Abendland, und Könige herrschten nach ihrer Stärke: der König der Deutschen war Kaiser, der Turm des Reiches stand über den Dächern der Staaten, und über den Fahnen der Völker wehte die Kaiserstandarte.
Das Lügenfeld
König der Franken war Karl, Kaiser der Kirche, Schwertherr im Abendland; der Mantel seiner gewaltigen Macht sank auf den Sohn; aber die Schultern Ludwigs des Frommen waren zu schwach, ihn zu tragen.
Eine Kugel galt Karl dem Großen die Welt, die untere Wölbung war sein im Zorn und Zank irdischer Taten; hoch aber darüber gewölbt stand der Himmel der römischen Kirche, dem er in Demut mit deutschem Schwert Schutzherr und Schirmvogt war.
Aber der Himmel sank auf die Erde, als Ludwig der Fromme das Schwert aus der Hand gab; von Priesterhänden geführt, im Zank seiner Söhne verflucht und verleitet, trug er die goldenen Säume der Kirche mühsam ins Alter.
Im dritten Jahr der Regierung schreckte ihn Unheil, das Reich zu vererben; unmündigen Knaben gab er das Zepter: Lothar die Macht und die Krone, Ludwig die bayrischen Länder, Pipin die spanische Mark.