Aber sein Leben löschte nicht aus, wie er meinte, und Judith, die Frau seines Alters, hielt ihrem Knaben den Docht seiner Liebe lebendig: Alemannien schenkte er ihm, das Herz seiner Länder; aber er nahm es den andern.
Die Söhne kamen zuhauf, und Bruderstreit stand um den Thron im Aufruhr der Grafen; die Kirche mischte die Machtgier der geistlichen Großen hinein, statt zu schlichten.
Da hing dem karolischen Reich der Mantel in Fetzen, die goldenen Säume der Kirche schleiften im Blut, ein gehetzter Hirsch war der Kaiser.
Das Lügenfeld hießen die Leute im Elsaß den Plan, wo sie ihn alle verließen, die Schwerter der Grafen samt den Schwüren der geistlichen Großen, wo die Söhne dem Vater das Königskleid nahmen, wo die Kirche dem Kaiser das Büßerhemd brachte.
Da wurde der Schirmherr der Kirche ein Schächer der Schuld; Ludwig der Fromme kniete als weinender Greis im Staub seiner Sünden:
So tief verstrickte den Sohn karolischer Macht die menschliche Schwäche, so gierig brach aus dem Streit der Enkel die lahme Gewalt, so ungetreu waren die Großen und Grafen, so kläglich mißlang der erste Streit um die Stärke.
Aber die Söhne Ludwigs des Frommen wurden des Lügenfriedens nicht froh, über der Schmach und über dem Sarg ihres Vaters brannte der Bruderhaß weiter.
Bis der Tag von Fontenoy den Mantel karolischer Reichsmacht für immer zerriß: der Tag der blutigen Rechnung für Lothar, den Kaiser; der Tag der Trennung für deutsche und gallische Franken.
In Verdun beschworen die Söhne den Frieden der lahmen Gewalt: Lothar der Kaiser behielt die Länder der Mitte, Lotharingen geheißen, indessen drüben Frankreich und hüben Deutschland entstand.
Die goldenen Säume der Kirche hingen verloren am dürftig geschnittenen Band; der Schirmherr der Christenheit wurde der eigenen Nöte nicht Herr; Lothar, der fränkische Kaiser, vermochte der Kirche das Schwert nicht zu halten.