XV (S. 151) 'Wald und Höhle'. Faust allein. Faust und Mephisto.

XVI (S. 161) 'Zwinger'. Gretchen vor der Mater dolorosa.

XVII (S. 164) 'Dom'. Gretchen, der böse Geist. Gesang.

Aus dieser Reihe von siebzehn Scenen sind zunächst als die jüngsten nach Italien gehörigen Bestandtheile auszuscheiden IV und XV. Den Rest von fünfzehn Scenen muss Goethe schon nach Weimar mitgebracht haben. Scene XVII erkannten wir als einen stehen gebliebenen Theil des ältesten prosaischen Faust. Wie viele von den übrigen Scenen erst in Prosa existirten und dann versificirt wurden, wie viele dagegen von vornherein in Knittelversen abgefasst waren, können wir nicht wissen; nur dass für Ia, X, XIII eine ältere prosaische Form wahrscheinlich ist.

Ich habe schon oben S. 76 angedeutet, dass ich XVI nur für eine Variante von XVII halte. Ich meine: als Goethe XVI verfasste hatte er nicht die Absicht, das Stück neben XVII stehen zu lassen, sondern er wollte XVII dadurch ersetzen. Beidemal dasselbe Motiv: Gretchen betend, von ihren Gedanken gefoltert. In der älteren Fassung mehr dramatisch-furchtbar, in der jüngeren mehr lyrisch-tröstlich ausgeführt. Dort mit starken äussern Mitteln, hier mit discreten innern. Wir sehen zugleich, wie stark die Umgestaltungen des prosaischen Faust zuweilen sein konnten, welche bei der Versification eintraten. Alle aber werden im Sinne der Idealisirung stattfinden.

Was nun die übrigen vierzehn Scenen betrifft, so müssen sie in ihrer gereimten Gestalt vor Goethes Weggang von Frankfurt und nach Anfang 1773 fallen. Denn um die Jahreswende 1772 auf 1773 begegnen bei Goethe die ersten Knittelverse (DjG. 1, 341). Auf 1773 führt auch die Gleichzeitigkeit mit dem Prometheus (an Zelter 3, 87) und wenn Goethe am 1. März 1788 für den Faust fünfzehn Jahre zurückrechnet (Ital. Reise, Hempel 24, 480). Vgl. S. 64 f.

Scene III ist wahrscheinlich im September 1775 entstanden nach dem Brief aus Offenbach 17. September 1775 (DjG. 3, 107): 'Ich machte eine Scene an meinem Faust' ... 'Mir wars in all dem wie einer Ratte die Gift gefressen hat' usw.

Scene XII war vor der Schweizerreise schon vorhanden, da Leopold Stolberg sie 1775 nachahmte (Anzeiger für deutsches Alterthum 2, 284).

Sonst lässt sich äusserlich nichts feststellen, nur dass im Jahre 1775 nicht mehr sehr viel entstanden sein wird, da Jacobi im Fragment so wenig neues fand. Er rechnet am 12. April 1791 sechzehn Jahre zurück. Also hat ihm Goethe im Januar oder Februar 1775, wo ihn Jacobi besuchte, das meiste vorgelesen.

Heinrich Leopold Wagner kam zur Zeit der Herbstmesse 1774 nach Frankfurt (Erich Schmidt, zweite Ausg. 16); und die Mittheilung des Faust an ihn muss vor dem April 1775 (ibid. 39) stattgefunden haben. Das was er in der Kindermörderin entlehnte, gibt ein vollgiltiges Zeugnis für die Existenz der betreffenden Goetheschen Scenen, aber gar nicht für ihre Existenz in Versen. Dennoch lohnt es darauf zu achten (vgl. ibid 79).