Vertrag. Damals noch unausgeführt: vermuthlich war Goethe mit sich selbst nicht einig, wie er ihn herbeiführen, und worauf er gestellt werden sollte. Dieser Mephisto macht auf das Drüben (1304) keine Ansprüche (Prol. 76 ff. vgl. 73 ff.); er würde auch den Pact nicht vorschlagen, wonach Faust selber sich begierig zeigte. Hier also blieb noch eine Lücke; der Anfang von Sc. II des Fragmentes war nicht festgestellt. Wenn Goethe am 6. März 1800 hoffte, in der grossen Lücke solle bald nur der Disputationsactus fehlen, so hat ihn diese Hoffnung eben geteuscht und er unterschätzte die Schwierigkeit.
Es folgte Sc. III-XI des Fragments, Auerbachs Keller, Hexenküche, Gretchen bis zum Kuss im Gartenhäuschen; XV 'Wald und Höhle'; XII-XIV, XVI Gretchen bis zum Gebete vor der Mater dolorosa. Hierauf Valentins Tod, wodurch, was sehr nöthig war, XVI und XVII von einander getrennt werden. Freilich hängen wieder Incongruenzen daran: wenn Gretchen so öffentlich beschämt war, so würde sie dann nicht im Dome friedlich unter den anderen knien. Vom Tode der Mutter, von Gretchens Schuld daran ist nicht die Rede.
Aber Scene XVII wird interpolirt Z. 3432 'Auf deiner Schwelle wessen Blut?'
Walpurgisnacht. Harzgebirg. Gegend von Schierke und Elend. Faust will auf den Brocken, wohin die Menge zum Satan strömt; er meint, dort müsse sich manches Räthsel lösen. Mephisto aber isolirt sich mit ihm und sucht eine kleinere Welt auf, sie tanzen mit den Hexen. Da erblickt Faust das Idol, welches dem 'guten Gretchen gleicht' (3831), schon ahnt er in grausenhafter Vorstellung ihr Schicksal. Aber Mephisto weiss ihn noch einmal abzuziehen, führt ihn ein Hügelchen hinan, von wo sie dem Intermezzo zusehen. (Dass die Scene bei 3851 abbreche, nehme ich nicht an.)
Harzgebirg, höhere Region (Gipfel des Brockens) s. Paralipomena. Nach dem Intermezzo willfahrt Mephisto Faustens früherem Wunsche und führt ihn nach oben. Sie gelangen zunächst in einsam öde Gegenden. Trompetenstösse, Blitz und Donner von oben kündigen ein Ausserordentliches an – dem Ohre zuerst. Dann, indem sie höher klimmen, gewahrt das Auge Feuersäulen, Rauchqualm und daraus hervorragend einen mächtigen Felsen, wie es scheint. Es ergibt sich beim Näherkommen, dass es Satan ist, umgeben von einer grossen Versammlung. Nun rächt sich die Versäumnis, ihr langes Verweilen in der Tiefe, sie haben Mühe durchzudringen ('Versäumnis. Mittel durchzudringen. Schaden. Geschrei. Lied'), erlangen es aber doch und stehen nun im nächsten Kreise mit anderen, welche charakterisirt werden; man kann es vor Hitze kaum aushalten. Satan hält eine groteske Rede voll Unfläterei, Mephisto tröstet ein junges Mädchen, welches weint, weil sie nichts davon verstehe. Nach der Rede stellt der Ceremonienmeister Satans ihm einzelne Theilnehmer der Versammlung vor und colossale Schmeicheleien lohnt der Teufel durch Belehnung mit Millionen Seelen. Da tritt Mitternacht ein: 'Versinken der Erscheinung. Vulcan. Unordentliches Auseinanderströmen, -brechen und -stürmen.' Die Erscheinung des Teufels versinkt, ein Vulkan entsteht an der Stelle wo er thronte, und die ganze Versammlung zerstiebt.
Ein anderer Theil des Brockens. Tiefere Region. Hochgerichtserscheinung. (S. Paralipomena.) Auch Faust und Mephisto haben den Gipfel des Brockens verlassen und den Rückweg angetreten. Da kommen sie in ein gewaltiges Gedränge, um sich zu retten, ersteigen sie einen Baum. Da erscheint wieder jenes nackte Idol, worin Faust Gretchens Gestalt zu erkennen glaubte. Es hat die Hände auf dem Rücken, wie zur Hinrichtung bereitet. Nach einem schauerlichen Gesang von Blut fällt der Kopf ab (Mephisto hat so etwas schon früher vorausgesehen, 3850). Aus dem Geschwätz von Kielkröpfen erfährt Faust endlich die volle Wahrheit über Gretchens Lage.
Gleich musste nun Faust verlangen, zu Gretchen gebracht zu werden, um sie zu befreien (wie in der Prosascene).
Das folgende bezeichne ich nur in Bausch und Bogen, ohne überall feststellen zu wollen, wie viel ausgeführt, wie viel nur schematisirt war.
Faust, Ariel, Geisterkreis. Sonnenaufgang im Gebirge, wobei Eindrücke vom Vierwaldstätter See verwerthet (Eckermann, dritte Aufl. 3, 117).