'Faust will ich als Fragment geben', schreibt Goethe an den Herzog 5. Juli 1789 und am 5. November desselben Jahres meldet er: 'Faust ist fragmentirt, das heisst in seiner Art für diesmal abgethan.' Das Fragment erschien zu Ostern 1790.

4) Mit Schillers Antheil (1797-1801).

Die Chronologie der Entstehung Goethescher Schriften weiss schon zum J. 1796 zu melden: 'Auch am Faust einiges gethan'. Vielleicht die Scene mit dem Baccalaureus aus dem zweiten Theil. Darüber vgl. Düntzer S. 83 f.

An Schiller schreibt Goethe 22. Juni 1797, er habe sich entschlossen an seinen Faust zu gehen. Das was gedruckt ist, löst er wieder auf und disponirt es mit dem was sonst schon fertig oder erfunden ist in grosse Massen. Am 5. Juli 1797 ist der Faust zwar wieder zurückgelegt, aber das Ganze als Schema und Uebersicht sehr umständlich durchgeführt (vgl. Brief vom 1. Juli 1797).

Dass ihn in der Zeit des Zusammenwirkens mit Schiller insbesondere auch die Helena stark beschäftigte, ist bekannt. Ich verweise für alles Nähere auf Düntzer und v. Loeper, und will nur zu errathen suchen, wie sich etwa der Faust als Ganzes damals vor Goethe darstellte.

Zueignung. Die schwankenden Gestalten steigen aus Dunst und Nebel um ihn auf. Vgl. wie er an Schiller schreibt: 'Unser Balladenstudium hat mich wieder auf diesen Dunst- und Nebelweg gebracht'. Gleich einer halbverklungenen Sage kommt erste Lieb und Freundschaft mit herauf (vgl. 3527 ff.): das Frankfurter Gretchen und Friederike, Behrisch und Merck.

Vorspiel auf dem Theater. Als 'Dichter' redet Goethe ganz persönlich. Die Forderung des Directors sucht er schliesslich zu erfüllen und commandirt die Poesie.

Prolog im Himmel. Der Herr geht die Wette mit Mephistopheles ein. Natürlich muss sie Gott gewinnen. Aber es handelt sich nur um das irdische Leben Fausts, nicht um eine Seele, welche für die Hölle zu gewinnen wäre. Mephisto sagt, mit den Todten habe er sich niemals gern befangen. Mephisto ist der Schalk unter den Geistern die verneinen. Er wird dem Menschen als Geselle beigegeben, der reizt und wirkt und muss als Teufel schaffen (101).

In der Lücke. Zwischen Fragm. I und II. An die Unterredung mit Wagner schliesst sich der Selbstmordversuch; dann Spaziergang; Faust als Bibelübersetzer mit dem Pudel, dessen Verwandlung in einen fahrenden Scholasten. Er ist ein Theil von jener Kraft, die stets das Böse will und stets das Gute schafft (982); er ist der Geist der stets verneint (984). Ganz wie im Prolog, dieselbe erhaben optimistische Auffassung des Bösen. Nun will aber Mephisto fort, man begreift nicht recht, warum. Behaglich denkt Faust an einen Pact (1060); Mephisto aber entflieht.

Disputation (s. Paralipomena). Der Scholast taucht wieder auf in einer Disputation, an welcher Faust und Wagner betheiligt sind, rühmt das Vagiren und die daraus entstehende Erfahrung, die Kenntnisse die dem Schulweisen fehlen. Faust fragt nach dem schaffenden Spiegel. Mephisto macht ihm ein Compliment dafür, dass er überhaupt davon wisse, die Antwort aber verspricht er auf ein ander Mal, ganz wie er beim ersten Auftreten sich nicht festhalten lässt.