Der alte Mann trocknete sich mit einem roten Tuch, einer Art Fahne, die Stirn.

„In der Tat, Herr, wenn ich mich recht erinnere, so ist es ganz bestimmt Fürstenau.“

Er lächelte böse und ging weiter.

‚Welch eine sonderbare Art sich auszudrücken!‘ dachte ich. ‚Spricht man so in unserer Zeit? „In der Tat, Herr, wenn ich mich recht erinnere, so ist es ganz bestimmt Fürstenau.“ So spricht man in einem Shakespeareschen Lustspiel!‘

Ich eilte den Berg hinab und empfand dabei die Freude eines Wanderers, der von der Höhe das Ziel seines Tages sieht.

Als ich durch das Tor in die Stadt trat, war mit einem Mal der silberne Zauber wie zerbrochen, und Abendrot lag auf den Gassen. Hochbepackte Erntewagen, in der golden durchleuchteten Fülle leise schwankend, fuhren darüber hin und zeitweis bog einer von ihnen in den Hof ein. Auf den Pferden saßen hübsche, nacktfüßige Bauernjungen, die mit den Peitschen knallten, an den Häusern emporsahen und nachlässig zu den offenen Fenstern hinaufnickten, zu den Mädchen ...

‚War es vor tausend Jahren hier anders?‘ dachte ich. ‚Ernte und Glockengeläut und Menschen? ... Die vor tausend Jahren waren, mich trennt nur ein weniges von ihnen, nur die Zeit ... Ach, was ist Zeit! ... Ich will hier bleiben! ...‘

*

Bald saß ich in einem Garten vor meinem Abendbrot und erfreute mich, sobald ich den Blick hinwegwandte, an den rosigen Bergen und den tiefer beleuchteten Gassen. Ein Mädchen mit braunen, zum Kranz geflochtenen Strähnen schenkte mir den Wein ins Glas und lächelte dazu mit frischem Munde ... Ein Gedanke kam mir ... fort damit ... Gespenster! ...

Ich stand alsbald auf, bestellte mir eine Kammer für die Nacht und ging nachlässig, die Hände in den Hosentaschen, durch die Stadt. Ich wünschte jedem Mädchen einen guten Abend, und begann mit einigen von ihnen dadurch ein Gespräch, daß ich mich nach allerhand Dingen erkundigte, die mir völlig gleichgültig waren, – wo der Schmied wohne, ob die Heuernte dieses Jahr gut gewesen sei. Ich war an diesem Abend ziemlich frech ...