„So ... na ja, wir nehmen immer sechs. Weiß der Teufel, warum. Bald kommen die ersten Leiterwagen vom Gut. Dann gehen wir dort auf das Feld, – siehst du es? – und packen das Korn auf. Das macht immer sehr viel Spaß.“

Wir arbeiten schweigend und mit gesammeltem Eifer. Die Ähren stechen unsere Hände wund und ihre Körner rieseln uns in Hemd und Hose. Wolfgang macht manchmal eine Bewegung, als habe ihm jemand kaltes Wasser in den Nacken gegossen.

Später singt er mit klarer Stimme und deutlicher Aussprache einen altfranzösischen Chanson. Da ist von einem Grafen die Rede, dem es nicht wohl erging, weil seine Gemahlin der Majestät von Frankreich allzusehr gefiel.

*

Bald vernehmen wir das Rollen und Klappern von Wagen, die über die Landstraße zu uns herauffahren. Wir haben unsere Arbeit gerade beendet, als wir die Rufe der Bauern hören, die mit ermunterndem Einsprechen ihre Pferde einige schwere Hügel erklimmen lassen. Dann ertönt das Dröhnen von Wagen, die über eine hölzerne Brücke fahren, und gleich darauf ziehen sie alle an uns vorbei. In einem der Wagen sind nur Frauen. Sie haben alle rote Tücher um die Köpfe geschlungen. Jedermann wünscht uns: „Guten Morgen!“ worauf wir beinahe feierlich unsere Mützen lüften und den Gruß erwidern. In einem Gefährt sitzt ein hübsches junges Mädchen. Ich nicke ihr zu, worauf sie verlegen zu Boden sieht. Ich bin sehr stolz, das erreicht zu haben.

Der letzte Leiterwagen wird von einem Bauernjungen gelenkt, der auf dem linken Pferde sitzt. Er grüßt uns, wie ein Souverain zu grüßen pflegt.

„He Hans!“ ruft Wolfgang. „Bleib du bei uns!“

Hans steigt vom Pferd. Wolfgang legt seinen Arm auf die Schultern des Jungen und führt ihn zu mir heran. Die beiden stehen der Sonne entgegen, blinzeln, sind wohlgestaltet, blond, und – seltsam – sie sehen einander ähnlich.

„Ich stelle dir hier meinen Freund Hänschen Kietschmann vor.“

Der Junge macht eine Verbeugung, eine leichte, weltmännische, garnicht zu tiefe Verbeugung, und bietet mir die Hand, die ich schüttle.