bleibt, das Andenken an alles, was Ihnen teuer ist, der Umgang mit einigen Personen, denen Sie geneigt sind, das Bewußtsein eines immer reinen Gemüts ein bewegtes Leben hindurch, die Genugtuung an einem sich selbst geschaffenen Dasein, endlich, darf ich auch mit Freuden hinzusetzen, nach dem, was Sie mir so oft sagen, die Beschäftigung mit mir, die Sicherheit, wie innig ich alles Weh und alle Freude teile, die sich in Ihnen bewegen. Einer gewissen Stärke bedarf der Mensch in allen, auch den glücklichsten Verhältnissen des Lebens, vielleicht kommen sogar Unfälle, wie Sie jetzt einen erfahren, um dieselbe zu prüfen und zu üben, und wenn man nur den Vorsatz faßt, sie anzuwenden, so kehrt bald, auch selbst dadurch Heiterkeit in die Seele zurück, die sich allemal freut, pflichtmäßige Stärke geübt zu haben. – –

Überhaupt, liebe Charlotte, und ich denke das oft, mag es wohl sein, daß ich anders bin, als Sie sich mich manchmal gedacht hatten. Das kann eigentlich nicht fehlen, wenn man sich fast nie gesehen und nie miteinander gelebt hat. Ich schrieb Ihnen, im Beginn unsers Briefwechsels, Sie müssen mich nehmen, wie ich bin, ich kann aus meinem Wesen, wie es ist, nicht herausgehen. Meine wahren und eigentlichen Gesinnungen überhaupt und gegen Sie, liebe Charlotte, bleiben immer dieselben und ändern nie. Ob Ihnen der Ausdruck immer gleich erfreulich und ansprechend ist,

dafür kann ich nicht einstehen. Ich kann meiner Freiheit, weder in der Häufigkeit, noch in der Art, wie ich schreibe, etwas nehmen, und muß Sie da, wo ich zufällig nicht mit Ihnen oder Ihren Bemerkungen übereinstimme, um Nachsicht bitten. Daß ich in Wahrheit teil an Ihnen nehme, daß ich Ihnen auch gern schreibe, sehen Sie genug auch daraus, daß ich Ihnen vom Anfange an frei und offen, wie ich immer bin, sagte, daß ich ungern schreibe, daß Sie selten und kurze Briefe von mir bekommen würden, und daß ich doch häufig, und wie selbst dieser zeigt, sehr lange Briefe wirklich schreibe. Um zu Ihrer Lebenserzählung zurückzukehren, so kann ich Ihnen nur wiederholen, daß Sie mir durch die Fortsetzung wahre Freude machen werden, muß aber auch hinzusetzen, daß meine Bitte immer von der Voraussetzung ausgeht, nicht bloß, daß Sie es gern tun, das weiß ich gewiß, sondern auch, daß Sie Stimmung und Zeit in Anschlag bringen, und sich nur dann damit beschäftigen, wenn beide es erlauben; ich weiß ja, wie gewissenhaft Sie Ihre Zeit anwenden und darüber denken, und Sie wissen, wie dies meine wahre Achtung für Sie erhöht. Was Sie mir von den Geistererscheinungen sagen, hat mich noch neugieriger darauf gemacht. Ich bin ganz der Meinung Ihres verewigten Vaters. Niemand kennt den geheimen, Zusammenhang der Dinge, und ich werde keinen Unglauben haben. Leben Sie nun herzlich wohl, liebste Charlotte! Suchen Sie

sich zu erheitern, tun Sie es auch aus Liebe zu mir, und glauben Sie, daß niemand so gern und so oft an Sie denkt, als ich. Ihr H.

Berlin, den 12. April 1823.

Ich danke Ihnen recht herzlich für Ihre wenigen Zeilen, welche Ihnen Ihre liebevollen Gesinnungen eingaben. Ihre Worte: »Nehmen Sie dem gepreßten Herzen die Worte nicht genau, so wenig als den Kleinmut, der Folge schwerer Verhängnisse ist« – diese Worte haben mich tief gerührt. Niemals werden Sie in meinen Gesinnungen den leisesten Wandel erkennen. – Ihrem nächsten Briefe sehe ich nun mit großem Verlangen entgegen; aus einigen Äußerungen möchte ich schließen, daß ich Ihnen eine angenehmere Aussicht eröffnet habe. – – – H.

Berlin, den 25. April 1823.

Ich wollte mich eben hinsetzen, liebe Charlotte, Ihren lieben Brief vom 9. dieses zu beantworten, als ich zu meiner großen Freude den vom 20. bekam. Ich glaubte schon, Sie wollten, ehe Sie mir schrieben, erst eine Antwort von mir abwarten. Ich freue mich sehr, Sie nicht in dem Hause zu wissen, vor dessen unlieblichen Bewohnern Sie mit Recht einen so großen Abscheu hatten.