[41] Diese Aeußerung ist wiederholt gerügt worden, zuletzt Katholik 1875 S. 443, aber sie ist wahr; ich habe einige Beispiele in d. SB. d. Berl. Akad. vom 4. Dec. 1884 zusammengestellt.
[42] Vita et Translatio S. Severi auct. Liudulfo presbytero, Acta SS. Feb. I, 88-91. Jaffé, Bibl. III, 507-517. MG. SS. XV, 289-293, ed. L. v. Heinemann.
[43] S. über Liutbert und Sunzo Dümmler, Ostfr. III, 328-331; über Hatto S. 352. 497. Vgl. auch desselben S. 234 angeführte Abhandlung über die Fulder Briefsammlung, und die betr. Abschnitte in Will's Regesten.
§ 15. Sachsen. Münster, Bremen, Hamburg. [[←]]
Als Sturm zuerst in Hersfeld sein neues Kloster gründen wollte, verwarf Bonifaz diesen Vorschlag wegen der Nähe der heidnischen Sachsen. Karl aber zog auch dieses Volk in den Kreis der christlichen Bildung, und so gewaltsam auch die neue Pflanzung begründet wurde, sie schlug doch bald kräftige Wurzeln, und die Söhne der Bekehrten gaben sich bereits mit regem Eifer der neuen Lebensrichtung hin. Lange schon hatten die Angelsachsen sich danach gesehnt, hin und wieder auch versucht, ihren alten Stammesbrüdern das Evangelium zu bringen; jetzt drangen sie unter dem Schutze Karls vor, und pflanzten den Baum der neuen Lehre, der in dem frischen Erdreich bald kräftig und segensvoll gedieh.
Einer der hervorragendsten unter ihnen war Liudger, von Geburt zwar ein Friese, aber ein Schüler der angelsächsischen Glaubensboten. Er selbst hat uns in dem Leben seines Lehrers, Gregor von Utrecht[1], die Werkstatt geschildert, wo ein großer Theil der Lehrer für das Sachsenvolk ausgebildet wurde; ergänzt werden seine Nachrichten durch seine eigene Lebensbeschreibung von Altfrid.
Liudgers Großvater Wursing, ein reicher und vornehmer Friese, hatte sich, von Radbod vertrieben, zu den Franken geflüchtet und die Taufe angenommen; als dann Karl Martell nach der Besiegung des Landes das Bisthum Utrecht begründete, siedelte er auch Wursing mit den Seinen dort an, und an ihnen fand Willibrord die kräftigste Stütze. Nach Willibrords Tode nahm Bonifaz sich des verwaisten Bisthums an; dann ward es der Pflege Gregors übergeben, der lange Zeit ein treuer Begleiter und Gehülfe seines Lehrers Bonifaz gewesen war und nun als Abt dem Martinstifte vorstand. Die bischöflichen Geschäfte versah neben ihm der Angelsachse Aluberht. Dieser war wie so viele seiner Landsleute zur Mission gekommen, und kehrte auf Gregors Wunsch mit Utrechter Geistlichen heim nach York, wo er 767 vom Erzbischof Aethelberht ad Ealdsexos zum Bischof geweiht wurde, mit ihm Liudger zum Diaconus. Durch diese Verbindung sind, wie R. Pauli nachgewiesen hat, Nachrichten über Karls des Großen Sachsenkriege, dann auch durch Alcuin andere nicht unwichtige Angaben, in die nordenglischen Annalen gekommen[2].
Liudger hatte sich, wie mehrere von Wursings Nachkommen, der Kirche gewidmet, er genoß schon damals Alcuins Unterweisung, und kehrte später dieses Unterrichtes wegen noch einmal nach York zurück, bis ihn nach drei Jahren und sechs Monaten ein Streit zwischen den Friesen und Angeln nöthigte, nach Utrecht heimzukehren, wo Gregor zahlreiche Schüler aus allen deutschen Stämmen, nach Liudgers Angabe auch Sachsen, um sich versammelte. Unter Gregors Neffen und Nachfolger Alberich war die Leitung dieser Schule in solcher Weise vertheilt, daß abwechselnd Alberich selbst, Liudger, Adalgar und Thiatbrat[3], jeder ein Vierteljahr, derselben vorstanden. Die übrige Zeit verwandten sie auf die Seelsorge und die weitere Ausbildung des Volkes. Der Aufstand der Sachsen unter Widukind 782 brachte auch in Friesland das Heidenthum wieder zum Siege, und Liudger begab sich damals nach Montecassino, dessen klösterliche Einrichtung er später auf seine Stiftung Werden übertrug. Karl der Große aber vertraute ihm die geistliche Leitung von fünf friesischen Gauen an und verband damit im Anfange des neunten Jahrhunderts das neu errichtete Bisthum Mimigardeford in Westfalen, für welches seit dem 11. Jahrh. der Name Münster üblich wurde. Am 30. März 804 geweiht[4], wirkte er hier für die Befestigung der neuen Lehre bis zu seinem Tode am 26. März 809.
Die von ihm verfaßte Biographie Gregors ist in dem gewöhnlichen Legendenstil geschrieben, aber die stereotypen Phrasen sind hier von wirklicher Wärme erfüllt, von inniger Liebe zu seinem Lehrer und einer kindlichen Demuth, wo er seines eigenen Wirkens gedenkt. Es finden sich darin einige schätzbare Nachrichten über Bonifaz sowie über das Bisthum Utrecht; geschichtlicher Sinn zeigt sich jedoch wenig, es kommen arge Fehler vor, und auch die Sprache ist schwerfällig und gesucht. Als Geschichtsquelle ist Liudgers eigenes Leben von Altfrid[5] weit vorzuziehen, obgleich auch dieses von dem Verfasser, Liudgers Verwandtem und zweitem Nachfolger (839-849), auf Bitten der Mönche von Werden zunächst zum Zweck der Erbauung geschrieben wurde. Die Darstellung ist einfach und ansprechend, und die ganze Missionsthätigkeit tritt hier mit besonderer Anschaulichkeit uns entgegen. Noch in demselben Jahrhundert wurden in Werden zwei neue Bearbeitungen derselben verfaßt. Auch von Altfrids Vorgänger Gerfrid hat man eine Biographie gehabt, von welcher aber eine Erwähnung in der Bisthumschronik die einzige Spur ist[6]. Altfrids Nachfolger Liutbert, ein geborner Lothringer († 871), war vielleicht der Bischof Leutbert, welchem Sedulius eine sapphische Ode gewidmet hat[7].
Dem Kreise dieser Männer gehört auch Liafwin oder Lebuin an, ein Angelsachse, der zu Gregor nach Utrecht kam und sich, nachdem er eine Zeit lang an der Yssel gewirkt hatte, nach Sachsen begab, wo er auf dem Landtage zu Marklo unerschrocken das Christenthum verkündete. Seine Legende, welche besonders durch die Nachricht über diese Landtage und die Verfassung der Sachsen merkwürdig ist, wurde jedoch erst am Anfange des zehnten Jahrhunderts von Hucbald von St. Amand verfaßt, nicht in Münster, dessen wir nach diesen so viel versprechenden Anfängen nicht wieder zu gedenken haben werden[8].