[24] Agii Vita Hathumodae ed. Pertz, MG. SS. IV, 165-189. Uebersetzung von Rückert, Stuttg. 1845, von Grandaur bei Vita Eigilis. Benutzung des Fortunat, NA. IV, 527; in der Prosa der V. Martini ib. XIV, 166. — Ausg. des Dial. von Traube, Poet. Lat. III, 2, 369-388.
[25] Die nachträglich gefundene Brüsseler Handschrift (Archiv III, 379) scheint der Lammspringer zu entstammen, wenigstens hat sie dieselben Lücken. Zur Zeit des Probstes Gerhard u. der Aebt. Judith (1178-1191) schrieb hier die Nonne Ermengarde einige Schriften des h. Augustin ab, Cod. Helmst. 204, s. O. v. Heinemanns Wolfenb. Catalog I, S. 185.
[26] Poetae Saxonis Annales de Gestis Caroli magni imperatoris, ed. Pertz, MG. I, 225-379. Wieder abgedruckt bei Migne XCIX, 683-736. Jaffé, Bibl. IV. 542-627. Ebert III, 125-129. Simson, Der Poeta Saxo und der Friede zu Salz, Forschungen I, 301-326. Pannenborg vermuthet, daß der Verfasser der Gesta Heinrici IV dieses Werk gekannt und nachgeahmt habe. Brieden, Geschichtl. Werth des Poeta Saxo. [←] Progr. d. Laurentianums zu Arnsberg, 1878.
§ 17. Lothringen. [[←]]
Richbod von Trier (795-804) ist als Schüler Alcuins bekannt, und wird als ein Mann von gründlicher Gelehrsamkeit und Bildung gerühmt; Alcuin warf ihm vor, daß er die Aeneide besser kenne, als die Evangelien. Ohne Zweifel wird er sich um die Schulen in seinem Sprengel verdient gemacht haben. Auch Amalarius (809 bis 814) machte sich als Schriftsteller bekannt[1]; an seinen Nachfolger Hetti (814-847) schickte Einhard mit einem freundschaftlichen Briefe (ep. 10, bei Jaffé 23) einen Theil seiner kostbaren Reliquien, vermuthlich für die von ihm gestiftete und 836 eingeweihte Castorkirche zu Koblenz. Von ihm hat sich eine Anleitung zum kirchlichen Unterricht in Gesprächform erhalten[2]; ihm zur Seite stand als Landbischof Thegan, der schon erwähnte Biograph Ludwigs des Frommen. Sein Neffe und Nachfolger war Thietgaud (847-863), Grimalds Bruder, aber sehr unvortheilhaft bekannt durch seine Mitschuld an Lothars II Scheidungsgeschichte. Am Ende des Jahrhunderts, nach der entsetzlichen Verheerung durch die Normannen 882, war Ratbod Erzbischof (883-915), welcher den vertriebenen Abt von Prüm, Regino[3], zu gelehrten Arbeiten veranlaßte.
Dieser Regino war von Jugend auf im Kloster Prüm erzogen, wo schon unter dem Abte Markward (829-853) litterarische Thätigkeit bemerkbar wird. Verwandt mit Lupus, war nämlich auch Markward in Ferrières Mönch geworden, wo damals Alderich, später Erzbischof von Sens, Abt war, und nach Markwards Erhebung zum Abt von Prüm folgte sein Klosterbruder Ado, der als Erzbischof von Vienne seine Neigung zur Geschichtschreibung bewährt hat, der Einladung, eine Zeit lang in Prüm zu wirken. Markward selbst war Hüter und Lehrer Karls des Kahlen gewesen, als dieser 833 nach dem Siege Lothars nach Prüm verwiesen war[4]; Lupus (ep. 85) sendet ihm Grüße von demselben und schickte ihm Knaben zur Ausbildung. Schon bevor er Abt wurde, hatte Lupus 839 das Leben des h. Maximin verfaßt und seinem Freunde Waldo gewidmet, vielleicht demselben, welcher später Abt von St. Maximin wurde (oben S. 236).
In Prüm verfaßte auf Markwards Veranlassung Wandalbert (geb. 813) 839 die geschichtlich nicht ganz unwichtigen Wunder des heiligen Goar, welche er zu der Ueberarbeitung der alten Legende hinzufügte; den Schluß bildet ein ausführlicher Bericht über die Erwerbung der Cella S. Goaris durch Verleihung Pippins und Bestätigung Karls des Großen[5]. Auch besitzen wir von Wandalbert das schon oben ([S. 60]) erwähnte metrisch bearbeitete Martyrologium, welches er auf Antrieb eines sonst nicht bekannten Otricus begann, als er sich in Cöln aufhielt, und nachdem es vollendet war, mit einer Commendation an Lothar versah, 5 lustra nachdem dieser Kaiser geworden, also 848. Die künstlichen Versmaße der dazu gehörigen Gedichte zeugen von seiner Gelehrsamkeit, und während die Hauptmasse ihrer Natur nach fast reine Prosa ist, bieten uns namentlich die Beschreibungen der Monate anziehende Schilderungen ländlicher Beschäftigung in leicht fließenden Versen[6]. Markward aber übertrug im Jahre 844 die Gebeine der heiligen Chrysanthus und Daria nach Münstereifel, welches damals zu Prüm gehörte; Theganbert oder Thegan war es, der sie hier am 25. October feierlich beisetzte, und der Abt versäumte nicht, für die Aufzeichnung dieser Begebenheit zu sorgen oder, wie Holder-Egger vermuthet, sie selbst aufzuzeichnen[7]. Unter Abt Eigil (853-860) brachte der Tod des Kaisers Lothar in der Kutte eines Prümer Mönches dem Kloster hohen Ruhm und reiches Gut; Eigil selbst, ein gelehrter Mann, an den Hraban eine Abhandlung gerichtet hat, entsagte 860 seiner Würde, vielleicht, wie Mabillon vermuthete, weil er die Entscheidung gegen Thietberga unterzeichnet hatte. Er folgte dann einer Einladung Karls des Kahlen und erhielt die Abtei Flavigny, wohin er 864 von Alise-Sainte-Reine die h. Regina übertrug; die Geschichte der Uebertragung sammt den Wundern ließ er aufzeichnen, nachdem er 865 Erzbischof von Sens geworden war[8].
Auch Annalen sind um diese Zeit in Prüm geschrieben; anfangs aus älteren Annalen ausgezogen, bringen sie locale Nachrichten bis 860, bis zu welchem Jahre sie in Stablo ausgeschrieben sind, und wurden dann in Prüm bis 922 fortgeführt; damals hat sie, wie es scheint, der zum Bischof von Lüttich erhobene Abt Richarius nach Lüttich mitgenommen, wo sie weiter fortgesetzt wurden. Aus der Chronik des Regino sehen wir, daß es ein ausführlicheres Exemplar dieser Annalen gegeben haben muß, welches Regino benutzte[9].
Allein im Jahre 882 und noch einmal 892 erlag auch dieses herrliche Kloster den räuberischen Dänen; der Abt Farabert legte nach der Zerstörung desselben sein Amt nieder, und zu seinem Nachfolger wurde Regino gewählt. Aber die Parteikämpfe, welche damals Lothringen zerrissen, ließen auch ihm keine Ruhe; er mußte 899 seinen Gegnern weichen, und fand eine Zuflucht in Trier, wo er im Kloster St. Maximin 915 bestattet ist[10]. Der Erzbischof übergab ihm das ebenfalls von den Normannen verwüstete Martinskloster, welches unter seiner Leitung hergestellt sein soll[11]; vorzüglich aber scheint er sich seiner Gelehrsamkeit bei der Verwaltung seines kirchlichen Amtes bedient zu haben. Oft, sagt Regino, habe er gesehen, wie der Erzbischof sich erzürnt habe über den unmelodischen und fehlerhaften Gesang in den Chören seiner Sprengel, zu welchen er ihn also vermuthlich auf Visitationsreisen begleitet hat. Und wie er diesem Mangel durch seine Schrift de harmonica institutione[12] abzuhelfen suchte, so verfaßte er auf Ratbods Wunsch sein umfassendes und lehrreiches Werk über die Kirchenzucht zu dem praktischen Zwecke, bei Visitationen, welche wegen der argen Verwilderung der Geistlichkeit wie der Laien dringend nothwendig waren, alle erforderlichen Vorschriften des canonischen Rechtes in mäßigem Umfang darzubieten[13]. Diese um 906 unternommene Schrift widmete er Hatto von Mainz, dem damaligen Regenten des Reichs; an den Erzieher des jungen Königs, den gelehrten Bischof Adalbero von Augsburg, sandte er 908 seine Chronik von Christi Geburt bis zum Jahre 906. Dieses Werk verdient unsere Beachtung als einer der frühesten Versuche die Weltgeschichte in einer ziemlich ausführlichen Erzählung zusammenzufassen, eine Aufgabe, an welche sich damals nicht leicht jemand wagte und deren Schwierigkeiten außerordentlich groß waren. Die Ausführung ist freilich auch sehr mangelhaft geblieben und namentlich die Chronologie in der höchsten Verwirrung; auch versucht er gar nicht wie Frechulf eine Verarbeitung seiner Quellen, sondern begnügt sich mit wörtlichem Ausschreiben, was von nun an immer mehr üblich wurde. Beda, die Thaten der Frankenkönige, und andere bekannte Quellen bilden die Grundlage seines Werkes, welches anfangs nach den Regierungen der Kaiser angeordnet ist; weiterhin geht er, der Natur seiner Quellen folgend, in die annalistische Form über und fährt auch selbst in dieser Weise fort. Darin ist seine Chronik den auch von ihm benutzten Reichsannalen ähnlich, aber sie unterscheidet sich sehr wesentlich dadurch, daß er nicht gleichzeitig mit den Begebenheiten schrieb und deshalb auch gerade in der chronologischen Anordnung derselben wenig zuverlässig ist[14].
In dieser Beziehung hat bei ihm wie bei manchem anderen das Vorbild der Annalen nachtheilig gewirkt; denn für die Aufzeichnung unbestimmt gewordener Ueberlieferungen ist die annalistische Form nicht nur hinderlich, sondern die scheinbare Bestimmtheit verleitet auch dazu, den Angaben mehr Gewicht beizulegen, als ihnen zukommt. Bis zum Jahre 814 hat Regino die Lorscher Annalen benutzt; von da an aber fehlten ihm außer den oben erwähnten kurzen Annalen seines Klosters schriftliche Hülfsmittel, was wohl nur durch die Verheerungen der Normannen zu erklären ist, und er mußte sich zur Ausfüllung der großen Lücke von Karls des Großen Tode bis auf seine Zeit allein auf die so unsichere mündliche Tradition verlassen; nur über die Händel, welche Lothars II ärgerliche eheliche Verhältnisse veranlaßten, standen ihn Urkunden zu Gebote[15].