[38] Ueber die fabelhafte Vita S. Mengoldi s. oben [1→S. 174.]
[39] Poet. Lat. III, 225. Ueber Adventius s. Baehr S. 110; aus einer Briefsammlung, die sich auf Lothars II Ehehandel bezieht, sind bei Baronius noch mehr Briefe, alle von Dümmler sorgfältig benutzt und angeführt. — NA. IV, 526.
[40] Du Chesne II, 712-723. Bouquet VI, 386-397. Vgl. Ch. Pfister in Annales de l'Est 1890, S. 261 ff.
§ 18. Schwaben. [[←]]
Stälin I, 235-240. Baehr S. 118-122. Ild. v. Arx, Geschichte von St. Gallen. Weidmann, Geschichte der Bibliothek von St. Gallen, 1841. G. Scherrer, Verz. der Handschriften d. Stiftsbibl. Halle 1875. F. Keller, Bilder und Schriftzüge in den irischen Manuscripten der Schweizer Bibliotheken, in den Mittheilungen der Antiquarischen Gesellschaft in Zürich VII, 3. 1851. Dümmler, Das Formelbuch des Bischofs Salomo III von Constanz, 1857. Derselbe, St. Gallische Denkmale aus der Karolinger Zeit, Mittheilungen der Antiquarischen Gesellschaft XII, 6. 1859. G. Meier, Gesch. d. Schule von St. G. im Mittelalter, im Jahrb. f. Schweizer Gesch. X. St. Gallische Geschichtsquellen, neu herausgeg. v. G. Meyer von Knonau. 1870-1877. Rec. von Dümmler, HZ. XXXVIII, 327-343. Uebers. von Ekk. Casus nebst Proben aus den übrigen Theilen, von M. v. Knonau, 1878, Geschichtschr. 38 (X, 11). Ueber Sanct-gall. Formelsammlungen Zeumer, NA. VIII, 505-553.
Wenden wir unsern Blick nach dem Süden Deutschlands, so zieht vor allem St. Gallen unsere Aufmerksamkeit auf sich, nebst dem nahe gelegenen Reichenau. Hatten wir früher schon in dem alten Leben des heiligen Gall wenigstens einen ersten Versuch litterarischer Thätigkeit zu erwähnen, so finden wir nun auch hier einen Schüler Alcuins, Grimald, als Abt (841-872); Sanctgaller Mönche, wie Werinbert und Hartmut, Otfrids Mitschüler, besuchen, wie es scheint, die berühmte Schule des Klosters Fulda, und Hrabans Schüler Walahfrid wird Abt von Reichenau (842-849). Hierzu kommt noch der Unterricht gelehrter Iren, welche auch die Kenntniß des Griechischen hier heimisch machen, während der lebhafte Verkehr mit Italien nicht minder anregend wirkt. Die Sanctgaller Schule war vielleicht von allen die bedeutendste, und glücklicher Weise besitzen wir zugleich von ihr das lebendigste Bild in der reichhaltigen Klosterchronik[1], welche von verschiedenen Verfassern bis 1330 fortgeführt wurde. Die Schule war hier lange Zeit der Mittelpunkt des Klosterlebens, der Stolz und die Freude der Sanctgaller Mönche, und die Lebensnachrichten von den bedeutenderen Lehrern nebst mannigfachen Schulgeschichten verschiedener Art nehmen einen sehr hervorragenden Raum in der Chronik ein. Doch die Aufzeichnung dieses Theiles derselben gehört einer späteren Zeit an; von Ekkehard (IV) im elften Jahrhundert nach mündlicher Ueberlieferung aufgezeichnet, ist er in allen Einzelheiten unzuverlässig, giebt aber doch ein culturhistorisch unschätzbares, im Gesammteindruck auch sicher zutreffendes Bild. Der erste Theil dagegen bis zum Jahre 883, von Ratpert verfaßt, ist erfüllt von den äußeren Schicksalen des Klosters, den langen Kämpfen um seine Unabhängigkeit und Selbständigkeit, welche den Bischöfen von Constanz nur mit Mühe abgerungen war, und gegen verschiedene Anfechtungen vertheidigt wurde. Das Verhältniß zu den Bischöfen, welche formell völlig im Rechte waren, hat Ratpert, der schon ganz entstellten Klostertradition folgend, durchaus umgekehrt dargestellt, wie kürzlich Sickel auf die Urkunden gestützt nachgewiesen hat[2]; seine Aufmerksamkeit aber war diesem Gegenstand so vorwiegend zugewandt, daß er auch aus der späteren Zeit der Blüthe wenig über das innere Leben des Klosters berichtet.
Die ersten Zeiten des angestrengten und oft unglücklichen Kampfes waren der litterarischen Entwickelung nicht günstig. Eine Zierde des Klosters war jedoch schon damals Waldo, der zum Abt erhoben, nach Ratperts Darstellung wegen der Bedrängung durch den Bischof nach 1-1/2 Jahren (784) die Abtei Reichenau erhielt, welcher er 22 Jahre vorstand, endlich aber als Abt von Saint-Denis bis an seinen Tod 813 an dem litterarischen Treiben des Hofes Theil nahm[3].
Die neugewonnene Freiheit unter dem selbständigen Abte Gozbert (816-837) erwies sich für das Gedeihen des Klosters sehr förderlich; 830 begann Gozbert den Bau der neuen Kirche, zu welcher er den noch vorhandenen Grundriß[4] entwerfen ließ; der Urheber desselben, welcher den Musterplan eines großen Benedictinerklosters darstellt, ist unbekannt, eine Widmung, gerichtet, wie es scheint, an den jüngeren Gozbert, des Abtes gleichnamigen Neffen. Dieser beschrieb um diese Zeit das Leben des ersten Sanct Galler Abtes Othmar, welcher am 16. November 759 in der Verbannung gestorben war, und fügte auch zum Leben des heiligen Gallus, welches der Reichenauer Wetti für Gozbert bearbeitet hatte (oben S. 120), ein Buch über die Wunder desselben hinzu. Doch genügten ihm selber diese Arbeiten nicht, und er bat den berühmten Abt von Reichenau, Walahfrid, beide zu überarbeiten[5]. Uns liegt daher das Leben Othmars nur in Walahfrids reiner Sprache vor; es enthält einige schätzbare Nachrichten über die damaligen Verhältnisse von Alamannien, doch tilgte leider Walahfrid die Namen der Gewährsmänner als zu barbarisch. Begreiflich ist es, daß man daneben auch des heiligen Gallus Leben in seiner schlichten unsauberen Gestalt nicht mehr ertragen konnte: wenn es bei der Mahlzeit oder am Gedächtnißtage des heiligen Mannes verlesen wurde, störten die Germanismen und Sprachfehler die Andacht der Zuhörer. Walahfrid mußte deshalb auch dieses Buch nebst den dazu gefügten Wundergeschichten in eine zeitgemäße Form bringen[6]; doch hat sich auch Wettins Arbeit erhalten. Auch in Versen wollte Walahfrid denselben Gegenstand behandeln, ist aber nicht mehr dazu gekommen. Dagegen hat es auf das ungestüme Andrängen des jüngeren Gozbert, des Kahlkopfs, ein ungenannter Mönch unternommen und in der That Walahfrids Werk im Jahre 850 in Hexameter umgesetzt, doch stand sein Können bei weitem tiefer und entsprach nicht seinem guten Willen[7].
Nach dem Bürgerkriege verlieh Ludwig der Deutsche die Abtei seinem Erzkaplan Grimald (841-872), der sich das Wohl derselben sehr angelegen sein ließ, so daß jetzt die rechte Blüthezeit des Klosters und namentlich der Schule beginnt[8]. Da er selbst nicht Mönch war und in der Regel am Hofe lebte, vertraute er Hrabans Schüler Hartmut die unmittelbare Verwaltung des Klosters an, und nach Grimalds Tod stand dieser demselben bis 883 als Abt vor. Beide sorgten eifrig für die Bereicherung der Bibliothek, und als der erste bedeutende Lehrer wird unter ihnen Iso genannt[9]; ihm zur Seite der Schotte Moengal, auch Marcellus genannt[10], welcher in der inneren Schule die für das Mönchskleid bestimmten Knaben unterwies, während jener in der äußeren Schule die Söhne des Adels für ihren Beruf als Domherrn und Bischöfe vorbereitete.
Im Jahre 864 wurde Othmars Leib erhoben und in der neuen Kirche des heiligen Gallus feierlich beigesetzt, bis 867 die ihm bestimmte eigene Kirche vollendet war, welche auch Grimalds Ruhestätte wurde, der 870 zuletzt als Kanzler erscheint, und den Rest seiner Tage in St. Gallen zubrachte. Von jener Erhebung Othmars mit den Wundern, die dabei natürlich nicht fehlten, berichtet uns eine bald nachher verfaßte Schrift Iso's[11]. Später soll dieser jedoch das Kloster verlassen, und als Lehrer im Kloster Grandval eine große Wirksamkeit und außerordentlichen Ruf erlangt haben, bis er am 14. Mai 871 starb.