[52] Leich von den beiden Heinrichen, ed. Lachmann bei Koepke, Jahrbb. Otto's I S. 97. W. Wackernagel, Lesebuch 4. Aufl. I, 110. Müllenhoff u. Scherer 3. Ausg. I, 39, vgl. II, 99-106. Seelmann im Niederd. Jahrb. XII, 75-89, bezieht es auf den Augsb. Reichstag von 952; Bedenken dagegen von Steinmeyer a. a. O. S. 105.
[53] Modus Ottinc, Magnus caesar, auch Otto II u. III feiernd, Lachm. im Rhein. Mus. III, 432. Coussemaker, Hist. de l'harm. 106 u. pl. VIII, 1. Müll. u. Scherer 3. Ausg. S. 46.
[54] Ueber die lat. Hof-u. Klosterpoesie vgl. Wackernagels LG. S. 70 bis 74, über Volkslieder S. 75. Ueber die modi des Cod. Cantabr. Bartsch, Die lat. Sequenzen des MA. S. 145-165. Auf Heriger von Mainz (913 bis 926) Heriger urbis, nicht historisch, Jaffé in d. Zeitschr. f. D. Alt. XIV, 455. Müll. u. Scherer, 3. Aufl. S. 53. — Kirchliche Lieder auf Heinrich II, Lamentemur u. Judex summe, bei Jaffé a. a. O. 458-461; Summe Caesar NA. IV, 399. Anspielungen auf Heinrichs II Zusammenkunft mit K. Robert von Frankreich im Ruodlieb, bei Grimm u. Schmeller, Lat. Gedichte des 10. u. 11. Jahrh., vgl. Giesebr. II, 624. Jahrbb. Heinrichs II, II, 225. III, 261. Ausgabe von F. Seiler, Halle 1882. Ueber Ecbasis captivi s. unten [→ § 6]. Verse auf Heribert von Cöln zur kirchlichen Feier, doch noch saec. XI, Qui principium bei Jaffé S. 456.
§ 2. Sachsen. Corvey. [[←]]
Das Kloster Corvey, von Anfang an in enger Verbindung mit dem Hause der Ludolfinger und ihrer Gunst und ihres Schutzes sich erfreuend, hatte von der Ungunst der Zeiten weniger gelitten als andere Stifter. Doch verschwand auch hier nach Bovo II, mit Ausnahme der dürftigen Annalen[1], jede Spur litterarischer Thätigkeit, bis der Glanz von Otto's des Großen Thaten ein Geschichtswerk aus diesem Kloster hervorrief, wie noch keines in Sachsen ans Licht getreten war, dessen Form aber zugleich einen bedeutenden Verfall der grammatischen Schulbildung bekundet.
Widukind.
Widukindi Res gestae Saxonicae ed. Waitz, MG. SS. III, 408-467. Bes. Abdruck, neue Ausg. 1882. Uebersetzung von Schottin, mit Einleitung von Wattenbach 1852, 1882, mit Nachtr. 1891. Geschichtschr. 33 (X. 6). Facs. d. Dresd. Hs. in E. Berners Gesch. d. Pr. Staats I, 1890. Waitz in Schmidts Zeitschrift II, 100. L. Giesebrecht, Wend. Geschichten III, 295. W. Giesebrecht, Geschichte der Kaiserzeit I, 779. Maurenbrecher S. 32-43. W. v. Korvei (Ottonische Studien I) von R. Koepke, 1867. Vgl. Waitz, GGA. 1867 S. 1429-1438. Waitz: Ueber das Verhältniß von Hrotsuits Gesta Oddonis zu Widukind, Forsch. IX, 335-342. Alfred Kirchhoff: Ueber den Ort der Ungarnschlacht. Forsch. XII, 573-592; Wyneken, ib. XXI, 239-250; Grandaur zur V. Uldalrici. Vgl. auch Jul. Voigt, Die Pöhlder Chronik und die in ihr enthaltenen Kaisersagen, Diss. Hal. 1879 (NA. V. 468). Zu I, 12 (Hirmin) Krause, NA. XVI, 611; zu I, 16 O. v. Heinemann: Die Niederlage der Sachsen durch die Normannen 880, Mitth. d. Vereins f. Hamb. Gesch. 1880, S. 58-65 (NA. VI, 203). Zu I, 36 (Lunkini) Virchow, Verhandl. d. Berl. Anthropol. Ges. 1886, S. 422 ff. Zu I, 40 (Chnuba) R. v. Liliencron, Der Runenstein von Gottorp, Kiel 1888 (NA. XIII, 654). Zu II, 1 (Krönung Ottos) Beissel über den Aachener Königstuhl, Ann. d. Aach. Geschichtsvereins, 1888, S. 14 ff. Zu II, 10 (Schöppenkampf) B. Simson, Forsch. XXV, 369-373. Planck, Münch. SB. 1886, S. 155-180.
Im Jahre 967, als Kaiser Otto auf der Höhe seiner Macht stand, unternahm es Widukind, Mönch im Kloster Corvey, die Geschichte seines Volkes zu schreiben, nachdem er vorher sich mit der Bearbeitung von Heiligenleben beschäftigt hatte[2]. Dadurch, so sagt er selbst, habe er seinem Berufe genug gethan; jetzt erfülle er die Pflicht gegen seinen Stamm und sein Volk, indem er die Thaten ihrer Fürsten niederschreibe. In der Widmung an die Aebtissin von Quedlinburg, des Kaisers Tochter Mahthild, bezeichnet er genauer als seinen Gegenstand die Thaten Heinrichs und Otto's; die Ueberschrift aber bezeichnet sein Werk als die Geschichte der Sachsen. Denn Volk und Herrscher waren auf das innigste verbunden, und in dem Ruhme des Kaisers fühlte das ganze Volk sich gehoben, wie es denn auch seinen reichen Theil daran hatte. Gänzlich fern lag es Widukind, nach der Weise der Chronisten an das römische Reich anzuknüpfen, sondern völlig dem Verlaufe der geschichtlichen Entwickelung entsprechend, nimmt er zum Ausgangspunkte seiner Erzählung die Urgeschichte der Sachsen. Ihre alten Sagen zeichnet er auf, und obgleich er es nicht lassen kann, sie durch übel angewandte Schulgelehrsamkeit zu entstellen, so erkennt man doch in jedem Worte die Freude des Mönches an seinen alten heidnischen Vorfahren, an diesem kraftvollen Geschlechte, vor dem schon damals die Franken sich fürchteten. Heiden freilich durften sie nicht bleiben, und darum mußten sie nach tapferer Gegenwehr den Franken unterliegen, um durch die Taufe nun mit ihnen ein Volk zu werden. Aber das Gefühl der Unterdrückung lastet dennoch auf ihnen, bis nun S. Veit zu ihnen kommt, und mit ihm das Glück, welches die Westfranken jetzt verläßt. Unter seinem Schutze gedeihen und erstarken die Sachsen und werden unter ihrem großen König Heinrich aller übrigen Völker und selbst der Franken Herr; kein fremder Gebieter beschränkt hinfort ihre Freiheit.
Gegen Otto erheben sich noch einmal alle Stämme, schon schwindet die Hoffnung, daß das Reich ferner bei den Sachsen bleibe, aber mit Gottes Hülfe überwindet Otto alle seine Widersacher, er bändigt die Slaven, die Ungern, die Westfranken, bringt auch Italien wieder ans Reich, und beherrscht nun, von Gott und S. Veit beschützt, mit seinen Sachsen die Christenheit.
Durch diese durchgehende Einheit der Auffassung und durch die naturfrische Lebendigkeit der Darstellung hat das ganze Werk eine epische Färbung; was in der Ferne vorgeht, berührt Widukind nur kurz, und ist darüber auch wenig genau unterrichtet, so wie er für die älteren Zeiten freilich auf Beda und die Geschichte der Franken und Langobarden hinweist, auch Jordanis über den Ursprung der Hunnen ausschreibt, Einhards Leben Karls benutzt, aber von ernstlicher kritischer Forschung doch kaum eine Vorstellung hat. Für näher liegende Zeiten wird es ihm nicht ganz an annalistischen Aufzeichnungen gefehlt haben, an welche die noch erhaltenen Corveyer Annalen anklingen. Die Translatio S. Viti kannte er, und doch wohl auch Bovo's Werk. Aber die mühsam und geistlos compilirende Arbeit anderer Chronisten liegt seiner Weise ganz fern. Dem Epos steht er auch darin nahe, daß er vorzüglich bei der Schilderung der Schlachten und anderer Begebenheiten verweilt, über ihre geschichtliche Verknüpfung aber rasch hinwegeilt. Die Composition des Werkes ist von R. Koepke genau untersucht und dargelegt: recht deutlich stellt sich daraus die ganz einheitliche ursprüngliche Aufzeichnung dar, welche durch das gewissenhafte Bestreben, auch anderen Thatsachen ihre Stelle anzuweisen, zerstückt und oft unklar geworden ist. Am auffallendsten ist in solcher Weise die Schilderung der Schlacht auf dem Lechfelde zerrissen. In dem Autograph des Leo von Ostia sehen wir ein solches Verfahren noch deutlich vor uns, doch ist ohne Zweifel Koepke in seinen Folgerungen und Behauptungen vielfach zu weit gegangen: an einen fertig geschriebenen Entwurf des ganzen Werkes in dieser Weise ist gewiß nicht zu denken. Eingehend kritisirt und zurückgewiesen ist Koepke's Hypothese von J. Raase[3].