[51] Bouq. N. 64-67 mit ausführlichem Commentar von Adr. Valesius. Ueber einen von ihm an Bischof Fulco von Amiens gerichteten dialectischen Tractat s. Prantl, Gesch. d. Logik II, 58. HS. aus St. Emm. in München, lat. 14272; Frgm. in Orléans, cod. 169, beschr. v. Samuel Brandt, Wiener SB. CX, 167-174.

§ 11. Cluny. [[←]]

Als die herrschende Richtung in den französischen Schulen im zehnten Jahrhundert trat uns jene rhetorisch-philosophische Bildung entgegen, welche auf den Lehren der alten Grammatiker beruhte und nicht auf kirchlichem Grunde erwachsen war. In scharfem Gegensatze zu diesem Treiben entfaltete sich gleichzeitig in Cluny eine streng mönchische Askese, welche das Studium des profanen Alterthums für sündlich erklärte, geistesverwandt mit der auf gleicher Grundlage ruhenden Klosterreform in Lothringen, mit welcher auch häufige Berührungen stattfanden. Die Geschichtschreibung konnte nicht gedeihen, wo man alles Irdische verachtete und verwarf, aber indem man die Tugenden der gefeierten Häupter dieser Richtung anderen zum Vorbilde aufstellte, entstanden doch Lebensbeschreibungen, welche um so wichtiger sind, je größer auch für die weltlichen Angelegenheiten damals die Bedeutung jener Männer war. Aber auch die Kenntniß dieser ganzen Richtung und namentlich die Entstehung und das Wachsthum der Cluniacenser Congregation, welche bald eine so außerordentliche politische Bedeutung gewann, ist von unmittelbarer Wichtigkeit für den Geschichtsforscher; nur ist zu bedauern, daß der legendenartige, auf Erbauung abzielende Ton der Biographieen uns gerade über diejenigen Umstände, welche geschichtlich bedeutend sind, am wenigsten Aufklärung finden läßt. Ueber das Leben des ersten Abtes Odo (927-942) besitzen wir eine Schrift seines Schülers Johannes[1]. Das Leben des Abtes Majolus (949-994) beschrieb bald nach seinem Tode, nicht ohne gute Nachrichten von ihm nahestehenden Zeitgenossen zu erhalten, in blüthenreicher salbungsvoller Rede der Mönch Syrus[2], dessen Schrift aber nach der Untersuchung von L. Traube[3] unvollendet blieb und von Aldebald aus Heirici Vita et miracula S. Germani interpoliert ist, welche Verunstaltung er in einer zweiten Bearbeitung noch vermehrte. Den echten Text des Syrus haben wir also nicht, wohl aber kannte ihn Odilo, der in seinem Elogium[4] die falschen Zuthaten des Aldebald unbeachtet gelassen zu haben scheint. Dadurch wird eine Revision der Untersuchungen von W. Schultze und Sackur nothwendig[5].

Sein Nachfolger Odilo (994-1049) fand mehrere Biographen in ähnlichem Stile[6]; er selbst verfaßte außer dem Leben des Majolus auch ein sogenanntes Epitaphium der Kaiserin Adalheid[7]. Er hat derselben sehr nahe gestanden, besonders in der letzten Zeit ihres Lebens, in welcher sie sich fast ganz frommen Uebungen und Klosterstiftungen hingab. Hierüber enthält seine Schrift viele Lobpreisungen, über ihr Leben in der Welt ist sie sehr kurz und begnügt sich mit den allgemeinsten Umrissen; nur bei den Leiden und Gefahren ihrer Gefangenschaft und Flucht verweilt Odilo etwas länger. Der geschichtliche Gewinn aus dieser Arbeit ist daher nicht bedeutend, und nur einige wenige brauchbare Nachrichten lassen sich daraus entnehmen.


[1] Mab. V, 150-186. Excc. ed. L. v. Heinemann SS. XV, 2, 586-588. Ueber die jüngeren Bearbeitungen Sackur, NA. XV, 105-116. Ueber seine Wirksamkeit Sackur, Die Cluniacenser (Halle 1892) S. 43 ff. Ueber den Odo zugeschriebenen Tractatus de reversione b. Martini de Burgundia vgl. C. v. Kalckstein, Robert der Tapfere (Berl. 1871) S. 312.

[2] Mab. V, 786. Auszüge MG. SS. IV, 649-655.

[3] NA. XVII, 402-407.

[4] Acta SS. Maj. II, 683.

[5] W. Schultze für Odilo, Forsch. XXIV, 153-172. Sackur f. Syrus NA. XII, 503-516. Entgegnung von Schultze NA. XIV, 545-564. — Epistola de morte Maioli NA. XVI, 180. — Vgl. Sackur, Die Cluniac, I, 209 ff.