[6] Jotsaldi de vita et virtutibus Odilonis abb. libri III, Mab. VI, 1, 679 bis 710. Ein Brief der Mönche von Souvigny (Silviniacensium) über Odilo's letzte Handlungen u. die Wunder ib. p. 673. Exc. aus Jotsald SS. XV, 812. Vgl. Sackur, NA. XV, 117-126. Cluniac. I, 300 ff. — Widmungsverse von Odilo an einen Kaiser Otto bei Jäck, Beschr. d. Bamb. Hss. S. 119.

[7] Odilonis Epitaphium Adelhaidis ed. Pertz, MG. SS. IV, 633-645. Uebersetzung von Hüffer, 1856; 2. A. 1891, Geschichtschr. 35 (X, 8). Giesebr. I, 789. Das zweite Buch bilden in dem von ihr gestifteten Kloster Seltz zwischen Straßburg und Speier aufgezeichnete Miracula S. Adalheidis. Vorangeschickt ist S. 636 ein metrisches Epitaphium Ottonis Magni.

§ 12. Italien. Liudprand. [[←]]

Liudprandi Opera ed. Pertz, MG. SS. III, 264-363 und besonderer Abdruck in Octav. Neue Ausg v. Dümmler 1877. Koepke, De vita et scriptis Liudprandi, Berol. 1842. Uebersetzt (die Antapodosis im Auszug) von Freih. v. d. Osten — Sacken, mit Einleitung von Wattenbach, Berlin 1853; 2. A. 1889, Geschichtschr. 29 (X, 2). Waitz in Schmidts Zeitschrift II, 99. W. Giesebrecht, Geschichte der Kaiserzeit I, 779. 781. Maurenbrecher S. 46-55. Peiper, Forsch. XII, 443 über einige Entlehnungen aus Boethius, nebst Emendationen. Liudprand von Cremona und seine Quellen, von C. Dändliker u. J. J. Müller, in M. Büdingers Untersuchungen zur Mittl. Gesch. I (L. 1871), über welche ich das ablehnende Urtheil E. Dümmlers, HZ. XXVI, 273 bis 281 theile. Gegenbemerkungen von Büd. XXVIII, 233-238. Fr. Koehler, Beiträge zur Textkritik L. im NA. VIII, 47-89. L. Ranke, Weltgesch. VIII, 634-655. Nicht gesehen habe ich Hantsch, Progr. d. Gymn. zu Leoben 1888, Colini Baldeschi, Liudprando, Giarre 1889.

Auch Italien beginnt in dieser Periode sich wieder zu schriftstellerischer Productivität zu erheben, und nach langer Unterbrechung erscheint hier wieder ein Geschichtschreiber, welcher den bedeutendsten seiner Zeitgenossen zur Seite tritt. Es ist Liudprand, der so den italienischen Namen wieder zu Ehren brachte. Wie Paulus Warnefrids Sohn, stammte auch er aus vornehmem langobardischen Geschlechte; auf die Römer sieht er als ganz entartet mit tiefer Verachtung herab. Aber ein Italiener ist er ganz und gar, und vollständig zeigt sich in ihm jener Charakter der dort herrschenden grammatischen Ausbildung, deren wir im vorigen Abschnitt gedachten. Auch erhielt er wie Paulus seinen Unterricht nicht in einer Klosterschule, sondern am Hofe zu Pavia, wo er früh die Aufmerksamkeit des Königs Hugo auf sich zog und durch seine schöne Stimme die Gunst desselben gewann.

Obwohl es in seinen Schriften nicht an Bibelstellen fehlt und er den Griechen mit orthodoxem Eifer entgegen tritt, so hat doch seine Gelehrsamkeit, die er nur gar zu gern zur Schau trägt, einen überwiegend weltlichen Charakter, und Horaz, Vergil, Terenz, Ovid, Juvenal, Cicero sind die Schriftsteller, deren Aussprüche ihm immer gegenwärtig sind, die er mit Vorliebe anführt[1]. Nach dem Muster des Boethius schmückt er seine Schriften gern mit Versen in vielförmigen Metren, und er zeigt darin eine solche Gewandtheit, daß man an jene früher erwähnte Aeußerung des Panegyristen Berengars erinnert wird, daß auf Verse jetzt niemand Werth lege, weil jedermann dergleichen zu machen verstehe.

Schon Liudprands Vater und Stiefvater waren als Gesandte in Constantinopel gewesen und hatten dort mancherlei Verbindungen angeknüpft, welche dann Liudprand, als eine Sendung des Königs Berengar, dessen Kanzler (V, 30) er geworden war, ihn 949 nach Byzanz führte[2], erneute und benutzte, um sich nicht nur mit der griechischen Sprache, sondern auch mit der Geschichte und den Einrichtungen des Reiches bekannt zu machen. Später hat er sich mit Berengar und mehr noch mit der Königin Willa erzürnt; er suchte und fand eine Zuflucht am Hofe des Königs Otto, und hier traf er im Februar 956 zusammen mit dem spanischen Bischof Recemund von Elvira[3], der ihn aufforderte, ein Werk über die Geschichte seiner Zeit zu verfassen. Zwei Jahre später 958 machte sich Liudprand wirklich an die Arbeit in Frankfurt, und ungeachtet eines vielbewegten Lebens und mancher Unterbrechungen arbeitete er daran fort bis zum Jahre 962, auch noch, als Otto schon zum Kaiser gekrönt war und ihn zum Bischof von Cremona erhoben hatte. Bald darauf aber, so scheint es, legte er dieses Werk bei Seite, welches ohnehin durch den großen Umschwung der Dinge in Italien seinen Zweck großentheils verloren hatte. Denn dieser hatte vorzüglich darin bestanden, allen denen, welche ihm gutes oder böses erwiesen hatten, nach Verdienst zu vergelten, besonders aber seinem Hasse gegen Berengar und Willa Luft zu machen; darum nannte er es das Buch der Vergeltung, Antapodosis. Er hat darin auch weidlich auf seine Feinde gescholten; was aber eigentlich Berengar und Willa ihm angethan hatten, erfahren wir nicht, da er in den sechs Büchern seines Werkes nicht weiter gelangt ist, als bis zu jener Gesandtschaftsreise an den griechischen Hof im Jahre 949.

Als seine Absicht bezeichnet Liudprand, alles zu berichten, was sich seit Kaiser Karls des Dritten[4] Zeit begeben, die Thaten der Kaiser und Könige von ganz Europa, wie er selbst sagt. Er erzählt von allem, was ihm bekannt geworden, von Deutschland, mit besonderer Vorliebe vom griechischen Reiche, am meisten und eingehendsten aber doch natürlicher Weise von Italien. Eigentliche Ordnung ist nicht darin zu finden, und auch die chronologische Folge sehr ungenau. Ueberhaupt darf man sich nirgends auf ihn verlassen; wie Widukind schreibt er nur nach mündlicher Kunde und verfällt besonders über ferner liegende Vorfälle in große Irrthümer. Aber Widukind ist frei von der Leidenschaft, welche den rachsüchtigen Italiener nur zu oft hinreißt. In seinem Ingrimm hält er sich bei den einzelnen, oft unbedeutenden Vorfällen übermäßig auf; er gefällt sich in der Mittheilung von Anekdoten, besonders wenn sie boshaft und anstößig sind, in der rhetorischen Ausmalung der Begebenheiten, in gezierten, den Umständen wenig angemessenen Reden. Im einzelnen ist sein Urtheil oft richtig und treffend, seine Ansicht von den geschichtlichen Verhältnissen wohl begründet, wie er denn auch in Otto dem Großen sogleich den Mann erkannte, von dem allein Italien Abhülfe seiner Leiden und Gebrechen, die Herstellung der Zucht und Ordnung erwarten konnte, und diesem ohne Wanken treu blieb. Seine Erwiederungen auf die leeren Anmaßungen der Griechen sind ungemein treffend. Aber von einer höheren Begabung zum Geschichtschreiber giebt doch sein Werk, als Ganzes betrachtet, kein günstiges Zeugniß. Dafür gewährt uns andererseits gerade seine behagliche, memoirenartige Art zu erzählen einen Einblick in die Sitten, Zustände und Denkweise der Zeit, der vom höchsten Werthe ist.

Als Otto der Große sich dauernd und ernstlich mit den italienischen Verhältnissen zu befassen begann, fand er die Hülfe des gelehrten und in den politischen Verhältnissen des Landes erfahrenen Mannes sehr schätzbar; er verlieh ihm schon 961 das Bisthum Cremona[5] und übertrug ihm 963 eine Gesandtschaft an den Pabst Johann XII; bald darauf war er zugegen in der Kirchenversammlung, durch welche dieser Pabst entsetzt wurde, und über diese Vorgänge (960 bis 964) hat er eine eigene Schrift verfaßt[6]. Hier versuchte er eine würdigere Sprache anzunehmen, er bringt weder griechische Floskeln noch Verse an und mäßigt seine Leidenschaftlichkeit; doch blickt sein eigenthümlicher Stil überall durch, und der Anspielungen auf römische Dichter hat er sich auch hier nicht enthalten. Da er in höherem Auftrage oder doch für das Auge des Kaisers schrieb, so ist seine Darstellung keineswegs unbefangen; er verschweigt manches, und man darf nicht vergessen, daß diese scheinbar so rein objective und actenmäßige Erzählung doch nur eine Parteischrift ist, daß er es namentlich vorzieht, manche Vorfälle und Umstände nicht zu erwähnen. Aber im wesentlichen hat sich dennoch, was er mittheilt, als richtig bewährt.

Im Sommer 968 ging Liudprand abermals nach Constantinopel als Brautwerber für Otto II, und über diese Sendung stattete er dem Kaiser einen Bericht ab, der ebenfalls erhalten ist, aber wie jene beiden anderen Werke, am Schlusse unvollständig; der Gesandtschaftsbericht ist nur aus der Ausgabe des Canisius bekannt und daher auch der Text unzuverlässig. In diesem Bericht nun hat sich Liudprand wieder ganz der üblen Laune überlassen, welche durch die schlechte Behandlung, die ihm in Constantinopel widerfuhr, in ihm erregt war, und er strömt über von Spott und Hohn. Der Uebermuth der Griechen hatte ihn aufs tiefste gekränkt, und er bietet alle seine Beredsamkeit auf, um die Kaiser zur Züchtigung derselben zu bewegen und diese Aufgabe als leicht und mühelos darzustellen. Uebertrieben ist daher seine Schilderung; das Bild namentlich, welches er vom Kaiser Nikephorus entwirft, ist nur in Bezug auf seinen Geiz zutreffend, seine kriegerischen Eigenschaften und die Wehrkraft des Reiches unterschätzt er durchaus. Aber im übrigen ist seine Schilderung wahr, und gewährt uns ein so eigenthümliches und lebendiges Bild des griechischen Reiches, daß Giesebrecht sie mit Recht fast vollständig in seine Geschichte der Kaiserzeit (I, 523-546) aufgenommen hat, als Seitenstück zu der Gesandtschaft des Abtes Johannes von Gorze an den Kalifen von Córdova[7].