Liudprands Bericht endet mit seiner Abreise von Korfu am siebenten Januar 969; im Sommer desselben Jahres überbrachte er als Bote (nuncius) des Kaisers Briefe von diesem und vom Pabste, die sich auf eine römische Synode vom 26. Mai 969 beziehen, an eine Synode zu Mailand, deren Beschlüsse Otto am 9. Nov. 969 bestätigte[8]. Ueber seine weiteren Schicksale ist nichts bekannt, nur eine Nachricht von sehr zweifelhaftem Werthe läßt ihn an der glänzenden Gesandtschaft Theil nehmen, welche endlich 971 die kaiserliche Braut wirklich in Empfang nahm, und auf dieser Reise sterben.
Im Jahre 984 musterte der Bischof Odelrich von Cremona die Urkunden und Bücher im Schatzhaus seiner Kirche: viel war malorum manibus entfremdet, und geschichtliche Werke finden sich nicht im Verzeichniß, auch nichts von Liudprand, aber „turibulum quod Luizonis fuit, de manu raptorum liberavimus[9].“ Bekanntschaft mit seinen Schriften ist in Italien nur bei Gregor von Farfa nachgewiesen.
In Deutschland sind Liudprands Schriften frühzeitig bekannt geworden und von den gelehrteren, vielbelesenen Schriftstellern benutzt, während sie der größeren Menge unbekannt blieben. Schon Hrotsuit scheint die Antapodosis gekannt zu haben; dann haben der Biograph Gerhards von Brogne, Ekkehard und Sigebert, Ragewin[10], Magnus von Reichersberg, Alberich und Heinrich von Herford, Dietrich von Niem[11] und endlich Trithemius aus dieser und der Historia Ottonis geschöpft.
Für die kritische Bearbeitung des Textes, mit Ausnahme der Legatio, von welcher keine Handschrift sich erhalten hat, glaubte Pertz eine vollkommen sichere Grundlage gefunden zu haben in der Freisinger Handschrift, welche für die griechischen Stellen vom Schreiber gelassene Lücken zeigt, die von einer anderen Hand ausgefüllt sind. Diese Hand konnte nach der Ansicht von Pertz nur die Hand des Autors sein, und von derselben ist die Historia Ottonis vollständig geschrieben. Diese Meinung war allgemein angenommen und galt für unzweifelhaft, bis R. Koehler im NA. VIII, S. 47 bis 89, vollkommen schlagend und überzeugend nachwies, daß sie durchaus unhaltbar sei. Es kommen Fehler und Versehen vor, welche ganz unmöglich von dem Verfasser selbst herrühren können. Da nun Koehler in Metz Excerpte griechischer Stellen aus Liudprand gefunden hatte, welche auf ein correcteres Exemplar zurückgehen, und eine Beschäftigung mit dieser Schrift im zehnten Jahrhundert beweisen, so hat er daran die schon oben S. 373 angeführte Vermuthung geknüpft, daß Bischof Dietrich den Nachlaß Liudprands gerettet und die Abschrift besorgt haben möge. Nach seiner Meinung wäre auch die Umschrift der griechischen Worte nach der Aussprache mit lateinischen Buchstaben erst hier hinzugefügt, allein dieselbe findet sich auch in der aus anderer Quelle stammenden Berliner Handschrift. Die Manuscripte werden schon etwas beschädigt gewesen sein, und dadurch erklärt es sich, daß sowohl der Legatio wie der Historia Ottonis der Schluß fehlt, in beiden Fällen aber nur ein kleines Stück.
Es ist selbstverständlich, daß nun eine neue Ausgabe ein dringendes Bedürfniß ist; die ganze Grundlage der Kritik ist verändert, und wenn schon früher einzelne Verbesserungen nicht zu umgehen waren, so werden nun überhaupt die oft viel besseren Lesarten anderer Handschriften nicht mehr als willkürliche Correcturen eines Ueberarbeiters betrachtet werden können. Eine Anzahl einleuchtender Emendationen hat schon R. Koehler vorgeschlagen, viel mehr aber bleiben noch übrig. Doch wird es immer schwer sein, die ursprüngliche Form und alte Emendationen zu unterscheiden[12].
Für die Zeit des Königs Hugo nicht ohne Bedeutung ist das Buch von den Wundern des h. Columban[13]. Der König Hugo verlieh nämlich um das Jahr 930 die Abtei Bobio seinem Kanzler Gerlannus, aber alle Stiftsgüter waren von räuberischen Machthabern in Besitz genommen. Unfähig, ihrer Herr zu werden, rief Gerlan den Heiligen selbst zu Hülfe und brachte ihn in feierlichem Aufzuge nach Pavia: er ließ sein Kloster nicht im Stich und that die gewünschten Wunder. Da entfiel den Räubern der Muth und sie steckten die Stäbchen (fustes), welche symbolisch den Verzicht bedeuteten, in die Pilgertasche (pera) des Heiligen, der nun im Triumph wieder nach seiner Ruhestätte gebracht wurde. Von Dauer ist freilich auch die Wirkung dieses Auftrittes nicht gewesen.
[1] Diese Nachweise sind von Koehler in der oben angeführten Abhandlung bedeutend vermehrt.
[2] Aus seinen damaligen Mittheilungen sind nach Dümmlers Vermuthung die Nachrichten des Constantinus Porphyrogenitus de admin. imp. c. 26 über König Hugo geschöpft. Wiener SB. XX, 358: vgl. Dändliker S. 53.
[3] S. darüber Dümmler, Jahrbb. unter Otto I. S. 278.