Noch besser wird vielleicht in manchen Fällen dieser Zweck erreicht durch die schon von Stein gewünschten[22] Uebersetzungen aus denen uns der Inhalt der Schriften weit reiner entgegentritt, indem der Leser hier nicht durch die einzelnen Schwierigkeiten beschäftigt wird, die sonst leicht seine Aufmerksamkeit zerstreuen. Auch wird man durch die Uebersetzungen nicht selten auf Stellen aufmerksam gemacht, die man früher übersah, und wenn die Uebersetzung gelungen ist, bietet sie kein unbedeutendes Hülfsmittel dar zum richtigen Verständniß des Textes, welches häufig gar nicht so leicht ist, wie der erste Anschein glauben läßt. Denn das mittelalterliche Latein hat viel eigenthümliches, und nicht nur in diese Sprache überhaupt, auch in den Sprachgebrauch der einzelnen Schriftsteller muß man sich erst mit Sorgfalt hineinlesen, um ihn ganz zu verstehen.

Die Wichtigkeit dieser seit 1849 unter dem Titel der Geschichtschreiber der deutschen Vorzeit erscheinenden Sammlung von Uebersetzungen ist deshalb unverkennbar, aber die Ausführung ließ viel zu wünschen übrig. Die Ungleichartigkeit der einzelnen Arbeiten ließ den Mangel einer eigentlichen Leitung sehr empfinden, und manche Uebersetzung war voll von Fehlern. Von den auf dem Titel genannten berühmten Namen hat nur Pertz sich der Sache wirklich angenommen, doch begreiflicher Weise nur als Nebensache. Jahrelang hat dann dieses Unternehmen gänzlich geruht, ist jedoch, seit einigen Jahren wieder in Angriff genommen. Die Nützlichkeit desselben bewährt sich auch dadurch, daß von vielen einzelnen Bänden neue Auflagen nöthig geworden sind, und gegenwärtig erscheint, von Wattenbach geleitet, eine chronologisch fortschreitende neubearbeitete Auflage der ganzen Sammlung.


[1] Vgl. Archiv I. VI, 294. MG. SS. I, Praefatio. Stein und die Monumenta Germaniae Antrittsrede von Pertz 6. Aug. (rect. 6. Juli) 1843, gedr. in d. Allg. Preuß. Zeitung 1843 N. 53 vom 22. August. Steins Leben von Pertz V, 57. 264 ff. u. s. w. an vielen Stellen. E. Dümmler: Ueber die Entstehung der MG. Im neuen Reich 1876, II, 201 ff. Alfred Stern, Briefe des Freih. vom Stein an N. F. von Mülinen, NA. IX, 257-268.

[2] Eine sehr nützliche Arbeit ist das Register über alle darin besprochene Bibliotheken von Dr. H. Kohl im NA. II, 629-634.

[3] A. Stern im NA. IX. 265.

[4] Steins Leben V, 580 ff. Vgl. Anz. d. Germ. Mus. XXII (1875) S. 31.

[5] VI, 499.

[6] VI, 751.

[7] V, 567. 790. VI, 954.