Von demselben Geiste erfüllt, aber ungleich wichtiger für die deutsche Geschichte, ist das Leben des heiligen Adalbert, des Bischofs von Prag und Apostels der Preußen († 997), auf den Wunsch seines schwärmerischen Freundes, des Kaisers Otto's III, verfaßt von Johannes Canaparius, dem Abte des Alexiusklosters in Rom, in welchem Adalbert sich eine Zeit lang aufgehalten hatte[5]. Der Verfasser hat Adalbert selbst nahe gestanden, benutzte auch einen Aufsatz des Domprobsts Willico von Prag, und schreibt daher aus voller Kenntniß des Gegenstandes und mit großer Wärme, in reiner, wenn auch von biblischen Phrasen erfüllter Sprache; über die politischen Verhältnisse, welche der Wirksamkeit Adalberts in Böhmen im Wege standen, darf man freilich bei ihm keine Aufklärung suchen. Die wenig spätere Ueberarbeitung dieses Lebens von Bruno von Querfurt erwähnten wir schon oben ([S. 354]). Bruno gehörte zu dem Kreise jener Asketen, welche in dem Kloster Classe bei Ravenna lebten, aus deren Mitte der Camaldulenser Orden seinen Ursprung nahm. Das Leben des Abtes Romuald hat um die Mitte des elften Jahrhunderts der Hauptvertreter dieser Richtung, Petrus Damiani, geschrieben; aus den salbungsvollen Sentenzen lassen sich einige geschichtliche Nachrichten auslesen, welche in den Mon. Germ. SS. IV, 846-854 mitgetheilt sind.
[1] Diese, wie mir scheint, allein richtige Deutung jener Stelle verdanke ich freundlicher Mittheilung von Jaffé.
[2] Gumpoldi Vita Vencezlavi ducis, von Pertz entdeckt und herausgegeben MG. SS. IV, 211-223: wiederholt Migne CXXXV; Fontes Rer. Boh. (Pragae 1872) I, 146-166. Vgl. Büdinger, Zur Kritik altböhmischer Geschichte, Wien 1857. Besonders abgedruckt aus der Zeitschr. f. österr. Gymnasien 1857. Heft VII. Hierin ist Gumpolds Existenz urkundlich nachgewiesen. Ueber die verschiedenen späteren Legenden vgl. Friedjung, Kaiser Karl IV und sein Antheil am geistigen Leben seiner Zeit (Wien 1876) S. 150-161.
[3] Auszugsweise mitgetheilt von Pertz, Archiv V, 137-143; vollständig von Dudik, Iter Romanum I, 304-318, Fontes Boh. 167-182. Die Legende Crescente fide bei Dudik, S. 319-326, Fontes 183-190. Ueber die wenig glaubwürdigen Legenden von Wenzels Mutter Ludmila s. die Vorrede von Holder-Egger zu der Ausgabe der ältesten, die jedoch auch erst aus dem 12. Jh. ist, während diejenige, welche bisher für die älteste galt, nur ein Theil von dem betrüglichen Werk des Pseudo-Christann ist, MG. SS. XV, 1, 572.
[4] Acta SS. Sept. VII, 336. Auszüge MG. SS. IV, 615-618. Giesebrecht I, 788.
[5] Johannis Canaparii Vita S. Adalberti ed. Pertz. MG. SS. IV, 581 bis 595. Ausg. von Al. Batowski bei Bielowski S. 157-183 mit Varianten einer Handschrift aus Kielce. Uebersetzt von Hüffer 1857; 2. A. 1891. Geschichtschr. 34 (X, 7). Vgl. oben S. 354 u. den böhmischen Landtagsschluß von 992 in Wattenbach's Beiträgen S. 51 und bei Erben, Regesta Bohemiae p. 33: diesen finde ich nicht berücksichtigt in dem sonst sehr hervorragenden und scharfsinnigen Aufsatz von Loserth: Der Sturz des Hauses Slawnik, W. Arch. LXV, 19-54, worin Adalberts Mißerfolg in Prag zurückgeführt wird auf die Rivalität seines Hauses, eines fürstlichen chorwatischen, das mit Polen verbündet war, mit den Przemysliden. Die Miracula S. Adalberti sind neu herausgegeben in den Mon. Pol. IV, 221 bis 238, nebst einer neuen Legende.
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