Von Lullus, Bonifatius Schüler und Nachfolger, besitzen wir ebenfalls eine Biographie, in welcher kürzlich Holder-Egger ein Werk Lamberts erkannt hat, und welche deshalb als solche später zu erwähnen sein wird. Ihr geschichtlicher Werth ist unbedeutend[22].

Dagegen ist als ein merkwürdiges Denkmal dieser Zeit noch das Leben der beiden Brüder Willibald und Wynnebald zu nennen[23], verfaßt von einer Nonne des Klosters Heidenheim, welches Wynnebald um 751 gestiftet hatte und bis zu seinem Tode (19. Dec. 761) leitete, während Willibald 741 von Bonifaz zum ersten Bischof von Eichstedt geweiht war. Wie diese Brüder, so stammte auch die Verfasserin, welche mit ihnen verwandt war, aus England, von wo sie erst nach Wynnebalds Tod nach Heidenheim kam. Ihr Werk zeigt uns, was auch aus Bonifatius Briefsammlung hervorgeht, wie sehr lebhaft dort auch die Nonnen an den gelehrten Studien Antheil nahmen. Freilich wurde auch sie, wie es leider so häufig vorkam, durch ihre Gelehrsamkeit zu einer sehr gezierten und schwülstigen Schreibart verleitet und vor fehlerhaftem Ausdruck nicht bewahrt; ja der Ausdruck ist, wie er in der neuen Ausgabe nach der ältesten Handschrift hergestellt ist, sogar in unglaublichem Maaße barbarisch, aber gelehrt barbarisch, d. h. mit griechischen und anderen seltsamen Worten beladen. Den Hauptinhalt und den werthvollsten Theil bildet in dem Leben Willibalds der Bericht über seine Pilgerfahrt nach dem gelobten Lande, welcher darin besonders hervortritt und den größten Raum einnimmt. Er ist offenbar nach den Mittheilungen Willibalds am 23. Juni 778 über seine Pilgerfahrten und die daran sich schließenden Umstände aufgezeichnet.

Nach Wynnebalds Tod übernahm seine Schwester Waldburga die Leitung des Klosters zu Heidenheim, von welcher nur im neunten Jahrhundert Wolfhard von Herrieden in dem Werk über ihre Wunder etwas berichtet[24].

Zu diesem Kreise gehören ferner noch Wigbert, den Bonifaz in Fritzlar als Abt einsetzte, Sualo oder Solus, und Leobgyth oder Lioba, die Aebtissin von Bischofsheim[25], deren Biographen Lupus von Ferrières und Rudolf von Fulda später zu erwähnen sein werden.


[1] Ueber die Schreibart Baeda (die eben damals veraltende) s. H. Zimmer, NA. XVI, 599-601. Vgl. über ihn Ebert S. 634-650. Karl Werner, Beda der Ehrwürdige und seine Zeit, Wien 1875. Cantor, Gesch. d. Mathematik I, 707-712. Schöll in Herzogs Real-Encyclopädie. — Opera ed. Giles, Lond. 1843 ff. 12 Bände. Bd. 1-4 die historischen Schriften. Chron. VI, 270 als c. 66. 67. von De temporum ratione. Opera historica ed. Stevenson, 1841, 2 Bände; cura R. Hussey, Ox. 1846. Mon. hist. Brit. (1848) p. 83-102 (Sexta aetas), p. 103-289 (Hist. eccl.). Migne XC-XCV. Hist. eccl. ed. Holder 1882. Auszüge, Geschichtschr. VII, 1 bei Isidor, von Coste. G. Wetzel, Die Chroniken des Beda (über seine Quellen und die Art ihrer Benutzung), Diss. Hal. 1878. Ueber die Continuatio Bedae von 731 bis 766, H. Hahn, Forsch. XX, 553-569. Die Annales chronographi vetussi. SS. XIII, 716, schreibt Krusch ihm zu. NA. XI, 633.

[2] P. Ewald, Die älteste Biographie Gregors I. Hist. Aufsätze dem Andenken an G. Waitz gewidmet (1886), S. 17-54.

[3] Vgl. Rettberg II, 509. Die Unechtheit der ihm zugeschriebenen Verse an den Genter Abt Florbertus mit dem Epitaphium S. Bavonis[←], mit Anklängen an Boethius, hat Holder-Egger nachgewiesen, Waitz-Aufsätze S. 623-665. NA. XVI, 623.

[4] Rettberg II, 511. Daß jedoch Wilfrid nicht wider Willen an diese Küste verschlagen wurde, bezeugt sein Schüler und Biograph Aedde, genannt Stephanus, bei Mab. IV, 1, 671. Wenn aber Alberdingk Thijm. H. Willibrordus S. 84 (deutsch S. 57) auch in der Missionspredigt unter den Friesen einen tief angelegten Plan sieht, so findet das in den Quellen keine Bestätigung. Dagegen auch Moll, Kerkgeschiedenis van Nederland, I, 87.

[5] Rettberg II, 513.