§ 8. Einhard. [[←]]
Pertz, MG. SS. II, 426-430. Baehr S. 200-216. O. Abel, Kaiser Karls Leben von Einhard, S. 1-18. Eug. Bacha bei Kurth: Dissertations acad. Liège 1888. Opera ed. Teulet, Par. 1840, 1843, 8. 2 Bände. Jaffé, Bibl. IV, 487-506; vgl. die zweite Ausgabe der Vita Caroli M. cur. W. Wattenbach, 1876. Vita Caroli ed. Waitz, 1880. Ebert II, 92-104. Bursian, Gesch. d. Philol. S. 21. M. Manitius, Einharts Werke und ihr Stil, NA. VII, 517-568. Nachtrag VIII, 193. XI, 64-73.
Dem Kaiser Karl wurde das Glück zu Theil, so lange die Herrschaft zu führen, daß er noch selbst den Erfolg seiner Bestrebungen und Einrichtungen erlebte. Haben wir bisher mit den Männern uns beschäftigt, welche er als Gehülfen seiner Thätigkeit an sich zog, seinen gleichaltrigen Zeitgenossen, so haben wir dagegen jetzt in Einhard den ersten der jüngeren Generation zu betrachten, der schon ganz unter dem Einfluß von Karls Zeitalter erwachsen war, und selbst den schönsten Beweis gab für den gesegneten Erfolg dieses Strebens. Kein mittelalterlicher Schriftsteller ist den classischen Vorbildern, welchen sie nacheiferten, so nahe gekommen; er erfreut sich deshalb eines guten Namens und findet selbst vor philologischen Augen Gnade.
Und doch zeigt sich auch gerade darin wieder eine Gefahr der damaligen Richtung; so viel anziehendes Einhard auch hat, es fehlt ihm die frische Natürlichkeit anderer, er schreibt fast wie Sueton, aber es war nicht das richtige Ziel des Mittelalters, zu schreiben wie Sueton, so wenig wie am Beginn der neueren Zeit diejenigen das Höchste erreicht haben, welche fast wie Cicero schrieben.
Man hätte in die Gefahr kommen können, nichts als ein mattes Abbild der römischen Kaiserzeit darzustellen, wenn nicht doch dagegen das widerstrebende Element der Kirche immer geschützt hätte, welches sich in dieser Form nicht fesseln lassen konnte, und das unvertilgbare frische Leben der Völker, welches nicht ruhte, bis es sich seine eigenen neuen Formen geschaffen hatte.
Für das Leben Einhards haben wir die werthvollste Bereicherung unserer Kenntniß dem Prologe Walahfrids zu Kaiser Karls Leben zu danken, dessen früher bezweifelte Echtheit durch die Auffindung der Kopenhagener, einst Kirschgarter Handschrift gesichert ist; daraus ist er fehlervoll Arch. VII, 372, correcter von Jaffé herausgegeben[1], und mit Benutzung desselben hat Jaffé in sorgfältigster Weise Einhards Leben neu bearbeitet. Eine zweite Handschrift in Freiburg i. Br. hat B. Simson entdeckt und die Varianten mitgetheilt[2].
Einhard — denn so, nicht Eginhard, wird der Name von seinen Zeitgenossen urkundlich geschrieben[3] — ist um das Jahr 770 in Ostfranken im Maingau von edlen Eltern[4] geboren, und erhielt seine früheste Erziehung im Kloster Fulda[5], zu dem er auch immer in freundschaftlicher Beziehung blieb: noch bewahren sechs von ihm unter Abt Baugulf (779-802) geschriebene Urkunden, wenn gleich nicht im Original erhalten, das Andenken an jene Zeit. Darunter ist eine Schenkung der Ehegatten Einhart und Engilfrit, höchst wahrscheinlich seiner Eltern; zwei vom 19. April 788 und vom 12. September 791 dienen zur Zeitbestimmung[6]. So sehr zeichnete er sich durch seine Fähigkeiten und Fortschritte aus, dass Abt Baugulf ihn an den Hof des Königs schickte, denn dieser, das wußte Baugulf, trachtete eifrigst danach, die fähigsten und gelehrtesten Männer aus dem ganzen Reiche um sich zu versammeln. In der Hofschule also vollendete er seine Ausbildung, und erwarb sich bald die Anerkennung, welcher beim ersten Anblick seine kleine Gestalt hinderlich war. Homuncio nennt ihn deshalb Walahfrid, nam statura despicabilis videbatur. Und Theodulf sagt 796 in dem oben erwähnten Gedicht an Karl v. 155 ff. von ihm:
Nardulus huc illuc discurrat perpete gressu:
Ut formica tuus pes redit itque frequens,
Cujus parva domus habitatur hospite magno,
Res magna et parvi pectoris antra colit.
Et nunc ille libros operosus[7], nunc ferat et res,
Spiculaque ad Scotti nunc paret apta necem.
Denn von der Bissigkeit dieses Schottenmönchs (vgl. oben [S. 153]) hatte er nicht minder als Alcuin und Theodulf selbst zu leiden. Alcuin aber verfaßte folgende scherzhafte Verse als Inschrift auf Einhards Haus:
Parva quidem res est oculorum cerne pupilla,
Sed regit imperio vivacis corporis actus.
Sic regit ipse domum totam sibi Nardulus istam:
Nardule, dic lector pergens, tu parvule salve!