Und für seine Hausthür:

Janua parva quidem et parvus habitator in aede est.

Seine volle Anerkennung für Einhard aber spricht er in diesem hübschen Epigramm aus:

Non spernas Nardum, lector, in corpore parvum,
Nam[8] redolet nardus spicato gramine multum:
Mel apis egregrium portat tibi corpore parvo.

Als schon in späteren Jahren 829 Walahfrid Kaiser Ludwigs Hof schilderte, schrieb er von Einhard (mit dem Lemma de Einharto magno)[9]:

Nec minor est magni reverentia patris habenda
Beseleel, fabre[10] primum qui percipit omne
Artificum praecautus opus: sic denique summus
Ipse legens infirma deus, sic fortia temnit. (I. Cor. 1, 27.)
Magnorum quis enim majora receperat umquam,
Quam radiare brevi nimium miramur homullo?

Daß aber auch Einhard zu den Dichtern des Hofes gehörte, erfahren wir erst aus jenem Gedicht des Naso, wo es zugleich mit hoher Anerkennung seiner hervorragenden Stellung von ihm heißt:

Aonias avide solitus recitare Camenas
Nardus ovans summo praesenti pollet honore.

Durch seine Klugheit und Gelehrsamkeit, sowie durch seine Rechtlichkeit und Treue erwarb sich Einhard das vollste Vertrauen Karls, der fast keinem seiner Räthe so rücksichtslos seine geheimsten Gedanken mittheilte; den jüngeren Mann liebte er wie einen Sohn, und Einhard erwiderte diese Zuneigung mit der hingebendsten Verehrung[11]. Ganz besonders zeichnete sich Einhard auch durch seine Kunstfertigkeit aus, durch seine Kunde der Baukunst, welche er durch eifriges Studium des Vitruv und der alten Denkmäler auszubilden suchte, und durch Geschicklichkeit in mancherlei Arbeit. Er erhielt deshalb unter den Hofgelehrten den Beinamen Beseleel, nach dem kunstreichen Werkmeister der Stiftshütte, und wurde vom Kaiser zum Aufseher seiner großartigen Bauten ernannt[12]. Auch in anderen wichtigen Angelegenheiten bewies ihm der Kaiser sein Vertrauen; er sandte ihn im Jahre 806 an den Pabst, um dessen Zustimmung zu seiner Anordnung über die Reichstheilung zu erlangen, und 813 war es Einhard, dessen Rath und Bitte Karl bestimmt haben soll, seinen Sohn Ludwig zum Kaiser zu ernennen. Da ist es denn nicht zu verwundern, daß er auch bei diesem sehr in Gunst stand; die großen Bauten hörten auf, aber nun wurde dem kunstreichen und gelehrten Manne eine ganze Reihe der ansehnlichsten Abteien übertragen. Allein mehr als diese zog ihn der abgelegene und einsame Fleck Landes zu Michelstadt im Odenwald an, den er 815 für sich und seine Gemahlin Imma vom Kaiser zum Geschenk erbat. Mehr und mehr zog er sich hierin zurück, und nachdem er sich im Jahre 827 den nach den Begriffen der Zeit unschätzbaren Besitz der Gebeine der heiligen Märtyrer Marcellinus und Petrus verschafft hatte, gedachte er hier ein Kloster zu gründen; doch veranlaßte eine Vision ihn, die Reliquien nach Mühlheim am Main zu führen, wo er ihnen eine stattliche Kirche erbaute, und die Abtei stiftete, welche den Namen des Ortes allmählich in Seligenstadt verwandelte.

Noch konnte Einhard sich nicht ganz den Staatsgeschäften entziehen, deren unruhiges und kriegerisches Getreibe allen denen, welche sich zu litterarischer Beschäftigung hingezogen fühlten, unerträglich war[13]. Im Jahr 817 gab ihn Ludwig dem jungen Kaiser Lothar als Rathgeber, und 830 finden wir ihn eifrig bemüht, den Ausbruch der Empörung zu verhindern, die Aussöhnung zwischen Vater und Sohn zu bewirken; Walahfrid rühmt ganz vorzüglich die Klugheit, mit welcher Einhard weder vorzeitig den alten Kaiser verlassen, noch auch sich ohne Nutzen ins Verderben gestürzt habe. Als aber die inneren Zustände des Reichs immer unheilbarer wurden, auch niemand mehr auf seinen weisen Rath achtete, da zog er sich ganz in seine Waldeinsamkeit zurück. Noch war ein harter Schlag des Schicksals ihm vorbehalten, der Tod seiner innig geliebten Gemahlin Imma, die nach Jaffé's scharfsinniger Vermuthung eine Schwester des Bischofs Bernhar von Worms war[14]. Sie starb im Jahre 836; der alte Kaiser hat ihn damals in seiner Zurückgezogenheit aufgesucht, um ihm seine Theilnahme zu bezeugen, und Lupus, der sich gerade seiner Studien wegen in Fulda aufhielt, wo er eben mit lebhafter Bewunderung die Vita Caroli gelesen hatte, schrieb ihm in herzlichem Mitgefühl einen Trostbrief[15]. Nicht lange darnach, am 14. März 840, starb er selbst[16]; eine schöne Grabschrift von Hrabans Hand zierte seine Ruhestätte[17]. In der Abtswürde folgte ihm sein Schüler Ratleik, einst sein Schreiber, jetzt Ludwigs des Deutschen Kanzler[18].