Babette knickste und ergriff die Hand ihres Liebsten, um mit der Gesellschaft den Gang in die Kirche anzutreten, wo der Betstuhl in seiner funkelnagelneuen Pracht mitten in dem Hauptgang vor dem Chore stand. —
Christopher Kemmeter kam erst nach einer vollen Woche mit einem Hochzeitssträußchen an seinem Roquelaure und einem verschmitzten Gesicht heim. Er sprach zuerst bei der Margret Hippler vor, die wie sonst mit friedlichem Gesicht an ihrem Spinnrad saß, und erzählte dann in der Trinkstube und im Geheimen Rat, daß er in der Stadt der heiligen Lioba zwar auch einen festen, runden Hexenturm, aber keine Hexe darin gefunden habe, da die Hexen im Taubergrunde gründlich ausgestorben seien.
Friedrich Lerch half dem kurmainzischen Amtmann Collenberg eine Zeitlang bei dessen Amtsgeschäften, und später, als der Graf Stadion den Junker Emmerich als Rat des Erzkanzlers nach Mainz zog, begleitete er den jungen Herrn an den kurfürstlichen Hof, wo er selbst bald darauf eine Stellung als Geheimschreiber fand und durch Josef II. in den Adelsstand erhoben wurde. Babette Glock schenkte ihm ein einziges Töchterchen, das sich im Blütenalter von sechzehn Jahren mit dem Hauptmann Ignaz von Schreckenbach vermählte und sieben Söhne zur Welt brachte, die nach Wien gerieten und da in kaiserliche Dienste traten. Sie hatten alle sieben das Gemüt ihrer Großmutter geerbt, und wenn es heute unter den vielgepriesenen Wienerinnen noch viele heimliche Hexen gibt, so ist diese Wesenheit gewiß zu einem kleinen Teil auf das Blut der letzten Frankenthaler Hexe zurückzuführen.
Im Insel-Verlag zu Leipzig
erschienen von
Wilhelm Weigand
Die Frankenthaler. Roman. 11.-15. Tausend.
Der Ring. Ein Novellenkreis.