(Auf Morgen ist Sant Valentins Tag, und früh vor Sonnenschein
Ich, Mädchen, komm ans Fenster zu dir, und will dein Valentin seyn.
Da stuhnd er auf, und zog sich an, und ließ sie in sein Haus;
Sie gieng als Mädchen ein zu ihm, doch nicht als Mädchen aus.)

König.
Holdselige Ophelia!

Ophelia.
In der That, und ohne einen Eid, das soll das lezte seyn:

Bey Kilian und Sanct Charitas,
Das garstige Geschlecht!
Sie thun's sobald der Anlaß kommt;
Beym Hahn, es ist nicht recht.
Sie sprach: Bevor ihr mich ertappt,
Verspracht ihr mir die Eh;
Bey jener Sonn', ich hätt's gethan,
Was gabst du dich umsonst?

König.
Wie lang ist sie schon in diesem Zustande?

Ophelia. Ich hoffe, alles soll gut gehen. Wir müssen Geduld haben; und doch kan ich nicht anders als weinen, wenn ich denke, daß sie ihn in den kalten Boden hineinlegen sollen; mein Bruder soll es erfahren, und hiemit dank' ich euch für euern guten Rath. Kommt, wo ist meine Kutsche?—Gute Nacht, meine Damen; gute Nacht, schöne Damen; gute Nacht, gute Nacht.

(Sie geht ab.)

König (zu Horatio.)
Folgt ihr, und laßt genau auf sie Acht geben, ich bitte euch—

(Horatio geht ab.)

Das ist der Gift eines tiefen Grams, eine Folge von ihres Vaters Tod. O Gertrude, Gertrude, wenn Unglük kommt, so kommt es nicht einzeln, wie Kundschafter, sondern Schaaren-weis. Erst der gewaltsame Tod ihres Vaters—Dann die Entfernung euers Sohns, die er sich durch jene Mordthat gerechtest zugezogen—Das Volk von ungesunden Muthmassungen über den Tod des guten Polonius, die von einem Ohr ins andre geflüstert werden, aufgebracht und zur Empörung bereit—Es war unvorsichtig von uns gehandelt, daß wir ihn heimlich bestatten liessen—Die arme Ophelia ihres schönen Verstandes beraubt—und was noch das schlimmste ist, so ist ihr Bruder in geheim aus Frankreich zurükgekommen, hält sich verborgen, zieht Erkundigung ein, und wird Ohrenbläser genug finden, die ihn mit giftigen Reden über die Ursache von seines Vaters Tod ansteken werden—O meine liebste Gertrude, das ist mehr als nöthig ist, mich das Schlimmste besorgen zu machen.