Mariane. Gnädigster Herr, ich gesteh's, ich bin nie verheurathet gewesen; ich gesteh auch zugleich, daß ich kein Mädchen bin; ich habe meinen Gemahl gekannt, aber mein Gemahl weiß nicht, daß er mich jemals gekannt hat.

Lucio.
So war er also betrunken, Gnädigster Herr, es kan nicht anders seyn.

Herzog.
Ich wollte du wär'st es auch, so schwiegest du doch wenigstens.

Lucio.
Gut, Gnädigster Herr.

Herzog.
Das ist keine Zeugin für den Freyherrn Angelo.

Mariane. Ich komme nun dazu, Gnädigster Herr. Das Frauenzimmer, das ihn beschuldiget, daß er sie entehrt habe, klagt dadurch meinen Gemahl an, indem sie vorgiebt, daß es zu einer Zeit geschehen sey, von der ich behaupte, daß ich ihn mit allen Würkungen der Liebe in meinen Armen hatte.

Angelo.
Beschuldiget sie jemand mehr als mich?

Mariane.
Nicht daß ich wüßte.

Herzog.
Nicht? Ihr sagt, euer Gemahl?

Mariane. So ist es, Gnädigster Herr, und der ist Angelo; der sich einbildt, er wisse gewiß, daß er mich nie berührt habe, aber gewiß weiß, daß er sich einbildt, es sey Isabella gewesen.